06.09.2021 Nachricht

Wir haben die traurige Nachricht erhalten, dass Melitta Stein verstorben ist

Geboren 1927 wuchs Melitta Stein als zweite Tochter der jüdische Familie Müller in Prag auf. Der Vater leitete eine Anwaltskanzlei, die er in den 1940er Jahren gezwungen war, abzugeben. Am 2. Juli 1942 wurde die Familie – Vater Karl, Mutter Margarethe und die Töchter Nina und Melitta –  in das Getto Theresienstadt verschleppt, am 18. Dezember 1942 in das KZ Auschwitz deportiert.

Der ständige Hunger und der Kampf ums Überleben zermürbten die Gesundheit der Familienmitglieder. Der Vater starb. Die Frauen wurden im Juli 1944 in das Außenlager Dessauer Ufer des KZ Neuengamme gebracht, wo sie zu Aufräumarbeiten im Hafen gezwungen wurden. Dort starb die Mutter. Die Mädchen wurden in die Neuengammer Außenlager Neugraben, dann Tiefstack verlegt. Im Zuge der Lagerräumungen wurden sie ins KZ Bergen-Belsen gebracht, wo auch Nina am 17. April 1945 starb.

Im Alter von 17 Jahren wurde Melitta befreit. Sie hatte 23 enge Familienmitglieder verloren, war die einzige Überlebende. Nach dem Krieg ging sie zurück nach Prag. Sie heiratete und bekam zwei Kinder. Nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch die Sowjetunion wanderte die Familie in die USA aus.

Melitta Stein sprach regelmäßig mit Schüler*innen über ihre Vergangenheit – in den USA, aber auch in Deutschland. Die bewundernswerte Frau wird uns fehlen.

Am Mittwoch den 8. September findet eine Gedenkveranstaltung am Dessauer Ufer statt, in deren Rahmen auch am Stolperstein für Melittas Mutter Margarethe Müller Blumen niedergelegt werden.

Unsere Gedanken sind in dieser schweren Zeit mit ihrer Familie.

Artikel in der Washington Post: Few of us left to tell the story
Artikel im Hamburger Abendblatt: Ich lebe damit, aber leide nicht (Bezahlschranke)

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