12.07.2021 Veranstaltung

NS-Besatzung, Krieg und gespaltene Erinnerung(en) im östlichen Europa

Am Samstag den 28. August 2021 findet von 12 bis 17 Uhr ein Thementag in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme statt zu Sowjetischen Kriegsgefangene in Norddeutschland mit Kurzvorträgen, Führungen (deutsch / russisch), Einblicken in Archivbestände und Sammlungen der Gedenkstätte.

Fast die Hälfteder etwa 100.000 Gefangenen im KZ Neuengamme, mehr als 41.000 Menschen, kamen aus dem östlichen Europa und Mittelosteuropa. Sie wurden aus Polen und der damaligen Sowjetunion, aus der Tschechoslowakei, dem damaligen Jugoslawien – vor allem aus Slowenien – und aus Ungarn nach Hamburg deportiert. Sie waren Kriegsgefangene, deportierte Widerständler*innen und politische Gegner*innen, Jüdinnen und Juden oder inhaftierte Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.

Die brutale Besatzungspolitik und die Gewalttaten des Zweiten Weltkrieges im Osten zeitigten unzählige Leidensgeschichten – und hinterließen ihre Spuren in gebrochenen Lebenswegen, Familiengeschichten und sozialen Gemeinschaften. Doch auch die Geschichts- und Erinnerungspolitiken des Kalten Krieges sowie die Europapolitiken haben Spannungsfelder geschaffen, die bis heute Konflikte aus der Zeit von 1939 bis 1945 immer wieder aufbrechen lassen. Das Erinnern an die NS-Verbrechen und den Zweiten Weltkrieg zeigt sich heute in auseinanderdriftenden oder gespaltenen Gedächtniskulturen. Diese Beobachtungen bildeten den Anlass, in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme in loser Folge mit Veranstaltungen und Projekten den Blick auf die Gefangene des KZ aus dem östlichen Europa und Mittelosteuropa zu richten.  

Am 28. August 2021 findet ein Thementag „Sowjetische Gefangene im KZ Neuengamme“ in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme statt. Vor 80 Jahren, am 22. Juni 1941, überfiel das nationalsozialistische Deutschland die Sowjetunion. Bereits wenige Wochen später kamen die ersten sowjetischen Gefangenen im KZ Neuengamme an. Der Zweite Weltkrieg, der Krieg gegen die Sowjetunion und die Verbrechen der Deutschen an der Front setzten sich nun ‚vor der Haustür‘ in Hamburg fort. An dem Thementag stellen Mitarbeiter*innen der KZ-Gedenkstätte Neuengamme die verschiedenen Gefangenengruppen aus der damaligen Sowjetunion und deren Einsatz in der Zwangsarbeit vor.

Im September 2021 startet dann das Projekt „Perspektiven öffnen – Geschichten teilen: Erinnerungen an Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg aus der Perspektive von Menschen ost- bzw. mittelosteuropäischer Herkunft in Deutschland“ im Rahmen des „Migration Lab Germany“. Das Projekt dreht sich um das multiperspektive Gedächtnis in der Migrationsgesellschaft und sucht nach Formen des dialogischen Erinnerns. Für 2022 ist ein Themenschwerpunkt zum Schicksal der polnischen Häftlinge in Neuengamme geplant.

Am Thementag „Sowjetische Gefangene im KZ Neuengamme“ können Besucher*innen sich an Stationen in den Ausstellungen und auf dem ehemaligen Lagerareal über die sowjetischen Insassen im Lager informieren. Ein thematischer Lageplan und ein Audiorundgang leiten über das Gelände. Dazu gibt es begleitete Themenrundgänge und Kurzvorträge zu den Mordaktionen an sowjetischen Kriegsgefangenen in Neuengamme und über die Zustände in norddeutschen Arbeitskommandos. Außerdem erhalten Besucher*innen Einblicke in Erinnerungsberichte von ehemaligen Zwangsarbeiter*innen und KZ-Häftlingen. Die Sonderausstellung „Überlebt! Und nun?“ gibt Informationen zum Leben nach der Befreiung und beschreibt die Rückkehr von Überlebenden der Lager in ihr ziviles Leben.

Das Programm ist kostenfrei. Hier geht es zum Programm: Thementag. Um eine Anmeldung zu den Vorträgen und Führungen wird gebeten:alexandra.koehring@gedenkstaetten.hamburg.de . Die Plätze sind begrenzt, Restplätze können vor Ort belegt werden. Die Veranstaltungen finden unter den jeweils geltenden Regeln zum Infektionsschutz statt.

Flyer „Geländerundgang Sowjetische Häftlinge im KZ Neuengamme“