14.11.2019 Ausstellung

Sonderausstellung „Einige waren Nachbarn“ wurde eröffnet

Ausstellung "Einige waren Nachbarn" in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme (ÖA), 2019
Foto der ersten beiden Tafeln der Ausstellung "Einige waren Nachbarn" in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Dr. Müller (USHMM), Herr Akins (US-Generalkonsulat), Prof. Garbe (KZ-Gedenkstätte Neuengamme) Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme (ÖA), 2019
Exhibition boards in the special exhibition "Some were neighbours" Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme (ÖA), 2019
Musik von Robert Masou und Hans-Christian Hartmann zur Eröffnung Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme (ÖA), 2019

Am 4. November 2019 wurde die Sonderausstellung „Einige waren Nachbarn“ des United States Holocaust Memorial Museums (USHMM) in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme durch Prof. Dr. Detlef Garbe (KZ-Gedenkstätte Neuengamme), Dr. Klaus Mueller (USHMM) und Darion K. Akins (US-Generalkonsulat Hamburg) eröffnet.

Prof. Detlef Garbe, Direktor der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, beschreibt als zentrale Themen der Sonderausstellung Täterschaft und Mittäterschaft, die Nachbarn als Mitläufer und Komplizen. Die Ausstellung zeige, wie allgegenwärtig von 1933 bis 1945 Ausgrenzung und Verfolgung überall in Deutschland waren und wie wenige sich dem Regime entgegenstellten. „Natürlich gab es auch anderes Verhalten und sogar einzelne Unterstützungstaten, aber nur sehr wenige. Sie waren die große Ausnahme, die Regel war das Mittun, das Gutheißen, die Gleichgültigkeit.“

Auch Hamburger lebten in direkter Nachbarschaft zum KZ Neuengamme und zu seinen Außenlagern, die sich im gesamten Stadtraum befanden. Spätestens, als nach den Zerstörungen durch die Luftangriffe auf Hamburg im Sommer 1943 viele Tausende KZ-Häftlinge zur Leichenbergung und Trümmerbeseitigung in der Stadt eingesetzt wurden, waren Lager und Außenlager im Stadtbild präsent. „Die Behauptung, die in den Nachkriegsjahrzehnten die Bundesrepublik geradezu prägte, der zufolge man weder etwas von den Konzentrationslager gewusst habe noch hätte wissen können, gehört zu den großen Mythen und Legenden.“

Generalkonsul Darion K. Akins wies in seiner Rede auf die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen für sein Handeln hin. Auch 81 Jahre nach den Novemberpogromen müsse man wachsam bleiben und den Antisemitismus bekämpfen. Hierbei betonte er die wichtige Rolle des USHMM in den USA und der Gedenkstätten in Deutschland.

Dr. Klaus Mueller, Europa-Repräsentant des USHMM erinnerte daran, dass die „Volksgemeinschaft“ der Nationalsozialisten auf Ausgrenzung fußte. Er mahnte für die heutige Zeit eine neue Achtsamkeit an: „Antisemitismus, Rassismus, Extremismus, Homo- und Transphobie, Fremdenfeindlichkeit und Anti-Roma-Haltungen werden heute nicht nur zunehmend offen ausgedrückt, sondern umgesetzt. Der schockierende Angriff in Halle hat die Dringlichkeit einer politischen und gesellschaftlichen Antwort auf tragische Weise unterstrichen.“ Die Besucherinnen und Besucher sollen durch die Ausstellung inspiriert werden, über ihre eigenen Einflussmöglichkeiten auf eine bessere Zukunft nachzudenken. „Der Holocaust erinnert uns daran, dass das Undenkbare möglich ist. Er erinnert auch daran, dass Individuen mehr Macht haben, als sie vielleicht wissen – zum Guten oder zum Schlechten.“

Die [deutschsprachige] Ausstellung „Einige waren Nachbarn“ ist noch bis zum 12. Januar 2020 im Foyer der Hauptausstellung in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme zu sehen.

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Begleitprogramm zur Ausstellung

Grußwort Darion K. Akins

Grußwort von Prof. Dr. Detlef Garbe