26.11.2018 Projekt

Neues Ausstellungsteam für das künftige Dokumentationszentrum Hannoverscher Bahnhof

Das Projektteam Hannoverscher Bahnhof Foto: René Eder (KZ-Gedenkstätte Neuengamme (ÖA), 2018)
Foto des Projektteams Hannoverscher Bahnhof
Denk.mal Hannoverscher Bahnhof Foto: Kristina Vagt (KZ-Gedenkstätte Neuengamme, 2017)
Foto des Gedenkorts Hannoverscher Bahnhof
Infopavillon am Denk.mal Hannoverscher Bahnhof Foto: Heinz Brossolat, 2018
Foto der Außenwand des Infopavillons Hannoverscher Bahnhof
Gedenktafel am denk.mal Hannoverscher Bahnhof Foto: Iris Groschek (KZ-Gedenkstätte Neuengamme (ÖA), 2018)
Foto einer Gedenktafel am denk.mal Hannoverscher Bahnhof

Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme ist mit der Entwicklung des Dokumentationszentrums „denk.mal Hannoverscher Bahnhof“ beauftragt. Als Ort der Information und des Lernens soll das Dokumentationszentrum das Schicksal von mehr als 8000 deportierten Jüdinnen und Juden sowie Sinti und Roma aus Hamburg und Norddeutschland in die Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung einbetten. Zudem wird das Schicksal jener vorgestellt, die in das Bewährungsbataillon 999 der Wehrmacht gezwungen wurden. Am 1. November 2018 hat das Projektteam die Arbeit aufgenommen. Das Dokumentationszentrum soll im November 2021 eröffnet werden.

Das Dokumentationszentrum wird am historischen Ort des ehemaligen Hannoverschen Bahnhofs am Lohsepark in der Hafencity entstehen. Das Projekt wird von Land und Bund gefördert. Die wissenschaftliche Projekt- und Ausstellungsleitung liegt bei Dr. Oliver von Wrochem (Leiter der Abteilung Bildung und Studienzentrum der KZ-Gedenkstätte Neuengamme)  Vier neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden mit ihm gemeinsam in den folgenden drei Jahren die Inhalte der Ausstellung für das neue Dokumentationszentrum entwickeln.

In der Ausstellung werden die Vor- und Nachgeschichte der Verbrechen und der Umgang mit dem historischen Ort, die Nachkriegssituation von Überlebenden der Deportationen, die Bedeutung des Deportationsgeschehens für die Angehörigen der Deportierten und die Frage, wie an den Zielorten der Deportationen heute an die Opfer erinnert wird, thematisiert werden. Als Teil der Geschichte des Holocaust und des Mordes an den Sinti und Roma hat das Dokumentationszentrum internationale Bedeutung. Es soll sich daher den Herausforderungen einer Erinnerungskultur öffnen und in einem „Zukunftslabor“ auch gegenwärtige Formen der Gewalt und von Menschenrechtsverletzungen, Ausgrenzung, Zwangsmigration, Antisemitismus und Antiziganismus thematisieren. Zudem wird der Abtransport in den Kriegseinsatz der zum Bewährungsbataillon 999 rekrutierten Personen dargestellt. Das Dokumentationszentrum wird daher nicht nur eine Dauerausstellung, sondern auch eine Lernwerkstatt und ein Zukunftslabor umfassen.

Daniel Bernhardt ist als Kurator für Projektmanagement, Ausstellungswesen und Öffentlichkeitsarbeit auch für Fragen der Inklusion und die Textredaktion zuständig. Der Sozialwissenschaftler, der seinen Master in Friedens- und Konfliktforschung gemacht hat, war zuletzt im Forum Ziviler Friedensdienst e.V. (forumZFD) im Büro in Skopje, Mazedonien, tätig als Projektmanager für Aktivitäten im Bereich „Dealing with the Past“, d.h. in der Aufarbeitung der Vergangenheit.

Sarah Grandke ist Kuratorin für die thematischen Bereiche Zielorte der Deportationen, Geschichte der Gedenkstätte, Sinti und Roma. Sie wird Vermittlungskonzepte erarbeiten, insbesondere im Team bei der Entwicklung der Lernwerkstatt, pädagogischer Formate und in den Social Media zuständig sein. Sie hat ihren Master in Osteuropastudien erhalten und für ein Ausstellungsprojekt im NS-Dokumentationszentrum München und zuletzt als wissenschaftliche Mitarbeiterin der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg in der dortigen Bildungsabteilung gearbeitet.

Dr. Kristina Vagt ist Kuratorin für die thematischen Bereiche Vorgeschichte, Geschichte der Verfolgung von Juden, Sinti und Roma sowie die Thematik des Bewährungsbataillons 999. Die Historikerin beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit der Geschichte des Hannoverschen Bahnhofs und war als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Erstellung der Ausstellung „In den Tod geschickt. Die Deportationen von Juden, Roma und Sinti aus Hamburg 1940 bis 1945“ beteiligt. Zuletzt war sie im Projekt „Transgenerationale Überlieferung von Geschichte. Bausteine zur Zukunft der Erinnerung an den National­sozialismus in der Migrationsgesellschaft“ an der KZ-Gedenkstätte Neuengamme tätig.

Stefan Wilbricht ist Kurator für die thematischen Bereiche Täterschaft und Nachgeschichte und er recherchiert für die Ausstellung den Umgang mit jüdischen Verfolgten und Nachkommen. Der Historiker ist außerdem im Team zuständig für Datenbanken sowie die Entwicklung einer Website und einer App für das neue Dokumentationszentrum. Der Schwerpunkt seiner Arbeit sind Multimedia-Projekte an der Schnittstelle zwischen historischem Ort, Ausstellungen und musealer Vermittlung, und er hat in diesem Sinne bisher u.a. die Gedenkstätte Bergen-Belsen und die Gedenkstätte Ahlem unterstützt.

Drucksache 21/12971