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10.11.2025 Veranstaltung
Am 20. November 2025 geht es in Köln und online los, im März dann auch in Hamburg vor Ort.
In Deutschland existiert heute eine dezentrale und plurale Gedenkstättenlandschaft zur Erinnerung an die NS-Verbrechen. Über 300 Einrichtungen erinnern bundesweit an verschiedenste Aspekte der nationalsozialistischen Vergangenheit: Von großen Institutionen mit zahlreichen festangestellten Mitarbeiter*innen bis hin zum ehrenamtlich getragenen Mini-Betrieb.
Die Etablierung dieser Gedenkstättenlandschaft musste teils gegen erhebliche Widerstände erkämpft werden. Die damit einhergehenden Konflikte und Herausforderungen bilden den Erfahrungshorizont einer „Generation Aufarbeitung“, die die Erinnerungskultur über Jahrzehnte geprägt hat. Seit einigen Jahren vollzieht sich ein Generationenwechsel. Anlässlich dessen will eine Gesprächsreihe an unterschiedlichen Orten in der Bundesrepublik zurück- und vorausschauen:
Auf wessen Initiative sind Gedenkstätten zur Erinnerung an die NS-Verbrechen eigentlich entstanden? Welche Rolle spielten Überlebende? Was trug das zivilgesellschaftliche Engagement in der alten Bundesrepublik und der DDR bei? Welche Auswirkungen hatte die Wiedervereinigung auf das erinnerungspolitische Feld? In welchen anhaltenden Spannungsverhältnissen bewegt sich die Gedenkstättenarbeit in der postnationalsozialistischen Gesellschaft? Vor welchen Herausforderungen steht sie in der Gegenwart, wo sieht sie sich in Zukunft?
Die sechsteilige Gesprächsreihe bringt verschiedene Generationen von Gedenkstättenmitarbeiter*innen und Wissenschaftler*innen miteinander ins Gespräch. Die beteiligten Institutionen laden die Öffentlichkeit in Köln, Jena, Leipzig, Hamburg und Berlin dazu ein, vor Ort mitzudiskutieren. Zugleich können die einzelnen Veranstaltungen über einen Livestream (youtube) auch online verfolgt und die Videomitschnitte später abgerufen werden. Dafür geht ab dem 17. November 2025 die Website www.nachdergenerationaufarbeitung.de live.
Das Projekt geht auf eine Initiative des Historikers Habbo Knoch zurück, der im Dezember 2024 viel zu früh verstorben ist. Es ist seinem Andenken gewidmet.
Die Termine im Überblick:
Donnerstag, 20. November 2025, 18:00–20.00 Uhr
Aufbrüche: Die „Generation Aufarbeitung“ und die Anfänge der deutschen Gedenkstättenbewegung
Köln, NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln
In den späten 1970er Jahren begannen in der Bundesrepublik vor allem junge Menschen, Orte des NS-Terrors sichtbar zu machen. Sie skandalisierten ihre bisherige Vernachlässigung, erforschten ihre Geschichten und setzten sich für dauerhafte Lernorte ein. Ihr Engagement legte den Grundstein für die Entwicklung einer vielfältigen Gedenkstättenlandschaft und prägt sie noch heute.
Was motivierte diese „Generation Aufarbeitung“? Welche gesellschaftspolitischen Ansprüche verband sie mit ihrem Engagement? Wie gelang es ihr, Gedenkstätten gegen viele Widerstände durchzusetzen? Und gab es ähnliche Entwicklungen eigentlich auch in der DDR?
Gäste: Angela Genger (ehemals Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf), Dr. Ute Hoffmann (ehemals Gedenkstätte für Opfer der NS-„Euthanasie“, Bernburg), Cornelia Siebeck (Gedenkstättenreferat der Stiftung Topographie des Terrors, Berlin), Fritz Bilz (Vereins EL-De-Haus e.V., Köln) Moderation: Dr. Janosch Steuwer (NS-DOK, Köln), Begrüßung: Dr. Henning Borggräfe (NS-DOK, Köln)
Mittwoch, 17. Dezember 2025, 18:15–19:45 Uhr
Verdoppelte Aufarbeitung? Kontroversen um NS-Gedenkstätten nach der Wiedervereinigung
Jena, Lehrstuhl für Geschichte in Medien und Öffentlichkeit der Friedrich-Schiller-Universität Jena; Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
Die Nationalen Mahn- und Gedenkstätten der DDR wurden nach 1989/90 zu Brennpunkten geschichtspolitischer Debatten: Wie war mit dem Erbe des DDR-Antifaschismus umzugehen? Und welchen Stellenwert sollten die ehemaligen sowjetischen Speziallager in einer künftigen Gestaltung der Gedenkstätten Buchenwald und Sachsenhausen einnehmen? Befürchtet wurde eine Relativierung der NS-Verbrechen im Zeichen des Totalitarismusparadigmas. Wie verliefen die damaligen Debatten in Ost und West? Welche Lösungen wurden schließlich gefunden? Und wie blicken wir heute auf diese Erinnerungskonflikte zurück?
Gäste: Prof. em. Dr. Volkhard Knigge (ehem. Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora), Dr. des. Maëlle Lepitre (Gedenkstätte Buchenwald), Dr. Carola S. Rudnick („Euthanasie”-Gedenkstätte Lüneburg) Moderation: Dr. Daniel Schuch (Universität Jena) Begrüßung: Prof. Dr. Jens-Christian Wagner (Universität Jena / Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora)
Mittwoch, 4. Februar 2026, 18.00–19:30 Uhr
Neue Freiräume, neue Abhängigkeiten? Zivilgesellschaftlicher Aufbruch und staatliche Erinnerungspolitik im wiedervereinten Deutschland
Leipzig, sächsische Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus
Nach der Wiedervereinigung erlebte der zivilgesellschaftliche Erinnerungsaktivismus in der Bundesrepublik eine Hochkonjunktur. Zugleich intensivierte sich auch das staatliche Engagement auf dem geschichtspolitischen Feld. Neben die Aufarbeitung der NS-Verbrechen trat nun zusätzlich die Auseinandersetzung mit der Unrechtsgeschichte der SBZ/DDR. Welche Ziele hatten zivilgesellschaftliche Initiativen, was waren staatliche Anliegen? Welche Interessenkonflikte entwickelten sich zwischen den unterschiedlichen erinnerungspolitischen Akteuren? Und welche Auswirkungen hatten die damaligen Entwicklungen langfristig auf die bundesrepublikanische Gedenkstättenlandschaft?
Gäste: Dr. Thomas Lutz (ehem. Gedenkstättenreferat der Stiftung Topographie des Terrors), Dr. Anna Kaminsky (Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur), Dr. Josephine Ulbricht (Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig), Prof. Dr. Jens-Christian Wagner (Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora) Moderation: Dr. Petra Haustein (Netzwerk Zeitgeschichte, Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten) Begrüßung: Begrüßung: Johannes Neuer (Direktor Deutsche Nationalbibliothek Leipzig), Vorstellung des Deutschen Exilarchivs Dr. Sylvia Asmus (Direktorin des Deutschen Exilarchivs 1933-1945 der DNB) Einführung in die Veranstaltungsreihe Jonas Kühne (sächsische Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus
Eine Teilnahme vor Ort ist mit einer Anmeldung unter folgendem Link ab 8.12 möglich: https://www.dnb.de/gedenkstaetten
Dienstag, 31. März 2026, 18.00–19.30 Uhr
Erinnern oder Lernen? Emotionen, Wissen und Rituale in der Gedenkstättenarbeit zu den NS-Verbrechen
Hamburg, Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte
Veranstaltungssaal in der Zentralbibliothek der Hamburger Bücherhallen, Hühnerposten 1, 20097 Hamburg
Gedenkstätten sind sowohl Orte der Trauer und des Gedenkens als auch Orte der Produktion, Vermittlung und Bewahrung von Wissen. Doch wie verhalten sich diese beiden Funktionen zueinander und wie hat sich dieses Verhältnis historisch entwickelt? Handelt es sich um ein Spannungsverhältnis oder um ein produktives Zusammenspiel? Welche Formen und Praktiken des Gedenkens werden an Gedenkstätten von wem praktiziert? Welche Rolle spielen dabei Rituale, was kann Kunst zu einer emotionalen und zugleich reflexiven Auseinandersetzung mit der Vergangenheit beitragen? Wie können emotionale und kognitive Zugänge in der alltäglichen Arbeit sinnvoll aufeinander bezogen werden? Gäste: Swenja Granzow-Rauwald (KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Hamburg), Dr. Verena Haug (Anne Frank Zentrum, Berlin), Gottfried Kößler (ehem. Fritz Bauer Institut, Frankfurt a. M.), Dr. Ulrike Löffler (Historikerin, Chemnitz) Moderation: Jennifer Farber (Zentrum für Erinnerungskultur, Duisburg) Begrüßung: Prof. Dr. Oliver von Wrochem, Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte. Anmeldung für die Teilnahme vor Ort: Anmeldung
Dienstag, 28. April 2026, 19.00–21.00 Uhr
Wessen Leid zählt? Erinnerungskonkurrenzen und Repräsentationskonflikte in der Gedenkstättenarbeit zu den NS-Verbrechen
Berlin, Stiftung Topographie des Terrors
Seit jeher hatte die Gedenkstättenarbeit zu den NS-Verbrechen mit Erinnerungskonkurrenzen und Repräsentationskonflikten zu tun: Welche Verfolgungsgeschichten werden in der Gestaltung vor Ort sichtbar, welche bleiben marginalisiert oder unsichtbar? Gibt es eine „Hierarchie der Opfer“, welchen Raum bekommen die Täter*innen? In welchem Verhältnis stehen die NS-Verbrechen zu anderen historischen Unrechtskomplexen? Woher kommen solche Erinnerungskonkurrenzen und Repräsentationskonflikte eigentlich, was sind hier treibende Kräfte, welche Rolle spielen sie in der konkreten Arbeit vor Ort - und lassen sie sich überhaupt jemals zur allseitigen Zufriedenheit „lösen“? Gäste: tba Moderation: tba Begrüßung: Dr. Andrea Riedle, Stiftung Topographie des Terrors
Mittwoch, 13. Mai 2026, 18:00–19:30 Uhr
Orte gesellschaftlicher Auseinandersetzung? Gegenwartsbezüge und -bedarfe in der Gedenkstättenarbeit zu den NS-Verbrechen
Berlin, Bundeszentrale für politische Bildung
Gedenkstätten zur Erinnerung an die NS-Verbrechen sind nicht nur Orte des Gedenkens und des historischen Lernens. Von Beginn an waren sie immer auch Orte kontroverser Aushandlungsprozesse um die „richtige“ Lesart von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wie funktionieren solche Aushandlungsprozesse? Welche Lebenswirklichkeiten, Perspektiven und Bedarfe werden wie berücksichtigt? In welchem Verhältnis stehen Gegenwartsbezüge und -bedarfe dabei zu den historischen Fakten? Wer zieht welche „Lehren“ aus der Vergangenheit? Wie lassen sich konflikthafte Deutungen produktiv moderieren? Und an welchem Punkt müssen Grenzen gezogen werden? Gäste: tba, Moderation: tba Begrüßung: Dr. Florian Zabransky, Bundeszentrale für politische Bildung
Kooperationspartner*innen:
NS-Dokumentationszentrum Köln, Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Lehrstuhl für Geschichte in Medien und Öffentlichkeit an der Universität Jena, sächsische Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte, Stiftung Topographie des Terrors, Bundeszentrale für politische Bildung
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