07.05.2018 Gedenkveranstaltung, Bericht

Gedenkfeier am Bullenhuser Damm

Kurzfilm über Walter Jungleib Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme (ÖA), 2018
Ruben Herzberg Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme (ÖA), 2018
Kantorei St. Michaelis Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme (ÖA), 2018
Schülerinnen und Schüler lesen die Namen der ermordeten Kinder Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme (ÖA), 2018
Grete Hamburg an der Gedenktafel für ihren Bruder Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme (ÖA), 2018

Am Freitag, den 20. April 2018, fand anlässlich des 73. Jahrestags der Ermordung von 20 jüdischen Kindern, deren vier Betreuern sowie 24 sowjetischen Gefangenen eine Gedenkfeier am Bullenhuser Damm, dem Ort des Geschehens, statt. Die Kinder, an denen zuvor im KZ Neuengamme pseudomedizinische Experimente durchgeführt worden waren, waren dort kurz vor Kriegsende erhängt worden, ebenso wie die 28 Erwachsenen. Die Leichen wurden später im Krematorium des KZ Neuengamme eingeäschert. Hiermit sollten die Spuren der an ihnen begangenen Verbrechen verwischt werden.

Die rund ca. 280 anwesenden Gäste – unter ihnen auch mehrere Angehörige der Kinder – wurden in der Turnhalle der heutigen Kindertagesstätte durch Ulrike Mattern von der Vereinigung ‚Kinder vom Bullenhuser Damm‘ begrüßt. Besonders erfreut zeigte sie sich dabei von der Anwesenheit Grete Hamburgs (Schwester von Walter Jungleib), des Neffen von Sergio De Simone sowie des Halbbruders Marc-Alain Grumelin des Geschwisterpaars Eleonora und Roman Witoński.

Nach der Eröffnung erfolgte die Vorstellung zweier Projekte, die sich mit Geschehnissen am Bullenhuser Damm auseinandergesetzt hatten. Zunächst stellte Daria Filippova – derzeit tätig als Freiwillige der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme – ihr Kunstwerk vor, welches in den nächsten Monaten im Keller des Gebäudes zu sehen sein wird. Die aus Spiegeln, Bildern im Kontext des Bullenhuser Damms und leeren Tafeln bestehende Installation soll die Betrachterinnen und Betrachter zum Nachdenken anregen und eine Verbindung zwischen der damaligen und der heutigen Zeit anregen. Beim zweiten Projekt handelte es sich um die Arbeit der beiden Schülerinnen Merle Lutz und Stela Vitalosová. Die Gewinnerinnen des Bertini-Preises hatten sich mit der Geschichte Walter Jungleibs auseinander gesetzt und in ihrem Video dessen Lebensgeschichte stellvertretend für die 19 anderen ermordeten Kinder erzählt.

Anschließend folgte eine Rede von Ruben Herzberg, dem ehemaligen Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde und Leiters des Gymnasiums Klosterschule. In dieser dankte er der Vereinigung ‚Kinder vom Bullenhuser Damm‘ für deren Arbeit und betonte die Unmenschlichkeit der damaligen Taten. Herzberg unterstrich die Tatsache, dass diese durch ihre Grausamkeit zwar singulär wirkten, dies aber nicht seien.

Gegen Ende der Gedenkfeier wurden die 20 Kinder nacheinander durch Schülerinnen und Schüler der Stadtteilschule Langenhorn mittels Kurzbiografien vorgestellt, daraufhin folgte eine Schweigeminute zum Gedenken und ein abschließender Chorgesang der Kantorei St. Michaelis unter der Leitung von Manuel Gera, die während der gesamten Veranstaltung für die musikalische Umrahmung sorgte. Abschließend dankte Ulrike Mattern allen Anwesenden und lud diese ein, sich die Gedenkstätte sowie den benachbarten Rosengarten anzuschauen und Rosen im Gedenken an die Ermordeten niederzulegen.

Auch dieses Jahr sind wieder viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern der Einladung der Vereinigung ‚Kinder vom Bullenhuser Damm‘ gefolgt und haben gemeinsam an die Gräueltaten der Nationalsozialisten erinnert. Aufgefallen ist dabei, dass während der Veranstaltung – auch bedingt durch die unterschiedlichen Darbietungen – versucht wurde, den Anwesenden die Einzelschicksale der 20 Kinder deutlich zu machen. Dies führte dazu, dass während der rund einstündigen Veranstaltung eine sehr private und betroffene Atmosphäre herrschte.

Sebastian Beer, Praktikant in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme