11.05.2017 Gedenkveranstaltung

Einweihung denk.mal Hannoverscher Bahnhof

Der neue Gedenkort erinnert an die zwischen 1940 und 1945 vom Hannoverschen Bahnhof deportierten Juden, Sinti und Roma. Veranstaltungen rund um die Eröffnung des Gedenkorts denk.mal Hannoverscher Bahnhof finden in der Zeit vom 10. bis 16. Mai 2017 statt.

Einweihung des neuen Gedenkortes

Am 10. Mai 2017 wurde der Gedenkort denk.mal Hannoverscher Bahnhof im Lohsepark in der HafenCity vom Ersten Bürgermeister Olaf Scholz im Beisein von Überlebenden, Zeitzeugen und Vertretern der Opferverbände feierlich eingeweiht. Damit erinnert Hamburg an die Deportationen von über 8.000 Juden, Sinti und Roma, die in den Jahren 1940 bis 1945 über den ehemaligen Hannoverschen Bahnhof von den Nationalsozialisten unter Mithilfe der Hamburger Behörden in die Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager Mittel- und Osteuropas verschleppt wurden. Für die meisten von ihnen bedeutete das den Tod.

Zur Einweihung des Gedenkorts sprachen der Erste Bürgermeister Olaf Scholz, Mark Dainow (Zentralrat der Juden in Deutschland), Romani Rose (Zentralrat Deutscher Sinti und Roma) und Miranda Voulasranta (European Roma and Traveller Forum) sowie mit Dr. Lucille Eichengreen eine Zeitzeugin, die 1941 aus Hamburg in das Ghetto Litzmannstadt / Lodz deportiert wurde. Anschließend gingen die Gäste der Veranstaltung vom Lohseplatz in einem feierlichen Zug zum Gedenkort am historischen Bahnsteig 2. Am Gedenkort wurden Kränze und weiße Rosen von den 600 Gästen niedergelegt und es wurden zwei Gebete gesprochen. Zum ersten Mal waren dann die 20 Namenstafeln zu sehen, auf denen die Namen der Menschen aufgeführt sind, die – soweit dies historisch ermittelt werden konnte – in den  Deportationszügen in die Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, Belzec, Litzmannstadt/Lodz, Minsk, Riga und Theresienstadt mehrheitlich in den Tod geschickt wurden.

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz: „Am Hannoverschen Bahnhof finden jetzt Erinnerung und Gegenwart zusammen. So kann mit dem Denkmal die lange in den Hintergrund gedrängte Geschichte des Hannoverschen Bahnhofs in das Gedächtnis der Stadt aufgenommen werden.“ (Rede)

Mark Dainow, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland: „Dass wir diesen Gedenkort heute einweihen, ist auch ein notwendiges Zeichen, in einer Zeit, in der populistische Parolen, agitatorische Reden und das Schüren von irrationalen Ängsten sowie demokratiefeindliche Stimmung wieder in Deutschland zu beobachten sind.“

Romani Rose, Präsident des Zentralrats der Deutschen Sinti und Roma: „Historisches Erinnern bedeutet immer auch gelebte Verantwortung für die Gegenwart. Gemeinsam müssen wir dafür einstehen, dass wir eine Gesellschaft mit menschlichem Gesicht bleiben.“

Am Abend des 10. Mai bildete ein Gespräch in der Körber-Stiftung mit Dr. Lucille Eichengreen und Prof. Saul Friedländer einen Auftakt zu weiteren Veranstaltungen. Eine Aufzeichnung des Gesprächs finden Sie online: Hier. Rund um die Einweihung des Gedenkortes gibt es für alle Interessierten ein weiteres umfangreiches Programm mit Zeitzeugengesprächen, Vorträgen und Führungen. Informationen und das vollständige Programm gibt es unter www.hannoverscher-bahnhof.hamburg.de bzw hier: Veranstaltungsprogramm

 

Der Gedenkort denk.mal Hannoverscher Bahnhof

Vertreterinnen und Vertreter der Opferverbände wirkten von Anfang an an der Entwicklung des Gedenkortes mit. Das Konzept wurde von der Kulturbehörde und der HafenCity Hamburg GmbH im Rahmen eines Wettbewerbs entwickelt. Das Gelände des ehemaligen Bahnhofs, von dem aus 20 Deportationszüge starteten, liegt heute inmitten des Lohseparks in der HafenCity. Der Gedenkort besteht aus folgenden Elementen:

Die „Fuge“ führt vom ehemaligen Bahnhofsvorplatz quer durch den Park bis zum historischen Bahnsteig 2 und symbolisiert den einstigen Gleisverlauf. Die „Fuge“ war im Sommer 2016 zusammen mit dem Lohsepark eröffnet worden. In die Gestaltung des Parks wurden die historischen Relikte der Bahnsteigkante 2 sowie die Gleisverläufe des 1955 gesprengten Hannoverschen Bahnhofs, die in unmittelbarem Zusammenhang mit den Deportationen stehen, integriert. Am 10. Mai 2017 wurde dann der Gedenkort am ehemaligen Bahnsteig eingeweiht. Namenstafeln erinnern an die mehr als 8.000 von hier aus deportierten Juden, Sinti und Roma.

Komplettiert wird das denk.mal Hannoverscher Bahnhof mit einem Dokumentationszentrum werden. Dieses Dokumentationszentrum soll in unmittelbarer Nähe des Gedenkorts in das Erdgeschoss eines neu gebauten Gebäudes einziehen. Kernelement des Dokumentationszentrums wird eine von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme entwickelte und geleitete Dauerausstellung zum Schicksal der deportierten norddeutschen und Hamburger Bürger sein. Sie entsteht auf der Grundlage der Dokumentation „In den Tod geschickt“. Seit Herbst 2013 ist eine kleine Ausstellung in einem Info-Pavillon am Lohseplatz zu sehen.

 

Veranstaltungsprogramm

 

Über die Eröffnung erschienen u.a. folgende Berichte in den Medien:

NDR: Neuer Gedenkort erinnert an Deportationen
SAT1: Hannoverscher Bahnhof. Neuer Gedenkort für Deportierte in Hamburg eingeweiht
Deutschlandfunk: Gedenkort Hannoverscher Bahnhof eingeweiht
Hamburger Abendblatt: Vom heutigen Lohsepark aus führten die Gleise in den Tod
Die Welt: Gedenkort Hannoverscher Bahnhof feierlich eingeweiht
Die Welt online: Ein Ort der Schande und der Trauer für Hamburg
Jüdische Allgemeine: Hannoverscher Bahnhof eingeweiht
FINK Hamburg: Ich habe Auschwitz überlebt
taz: Porajmos und Abschiebepolitik
LN Online: Gedenkstätte für deportierte Juden, Roma und Sinti