Hannover-Misburg

Ehemaliges Außenlager Hannover-Misburg. Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme, 1981. (ANg 1981-989)
Foto vom ehemaligen Außenlager Hannover-Misburg. Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme, 1981.

Am 26. Juni 1944 erreichten die ersten Häftlinge des KZ Neuengamme Hannover-Misburg. Unweit des Werksgeländes der Deutschen Erdölraffinerie (Deurag) am Mittellandkanal mussten sie auf einem zuvor landwirtschaftlich genutzten Gelände ein Lager errichten. Bis zur Fertigstellung der ersten Baracken mussten die KZ-Häftlinge in Erdhöhlen oder Zelten übernachten. Berichten zufolge waren in Hannover-Misburg bis zu 1000 KZ-Häftlinge untergebracht. Nach Angaben des SS Standortarztes des KZ Neuengamme, Dr. Trzebinski, vom 29. März 1945 zählte das Außenlager am 25. März 1945 672 männliche Gefangene.

Anlass für den Häftlingseinsatz bei der Deutschen Erdölraffinerie waren die Zerstörungen im Zuge der alliierten Luftoffensive gegen die deutsche Mineralölindustrie. Die Häftlinge wurden zu Aufräumungs- und Bauarbeiten herangezogen. Zwischen Juni 1944 und April 1945 wurden 55 Tote des Außenlagers Misburg registriert, jedoch muss aufgrund unvollständiger Angaben von einer größeren Zahl von Toten ausgegangen werden.

Wie andere Außenlager in Hannover wurde auch das Lager Misburg am 6. April 1945 geräumt. Das Ziel des „Evakuierungsmarsches“ war vermutlich das Stammlager Neuengamme. Die Häftlinge marschierten nach Norden bis nach Müden/Örtze, wo die Kolonne der Befehl erreichte, nicht nach Neuengamme, sondern zum Konzentrationslager Bergen-Belsen zu gehen. Die Häftlinge trafen dort am 8. April ein. Die kranken, nicht mehr „marschfähigen“ Häftlinge wurden am 8. April aus Misburg per Lkw direkt nach Bergen-Belsen transportiert.

Nach Aussagen von Angehörigen der Wachmannschaft waren die beiden ersten Lagerführer ein Polizeileutnant und anschließend ein Hauptmann der Infanterie. Ab Juli 1944 war SS-Obersturmführer Karl Wiedemann Lagerführer, ihm folgte SS-Hauptscharführer Hans Gehrt. Den Großteil der Bewachungsaufgaben übernahmen etwa 50–80 von einem Landesschützenbataillon in den KZ-Dienst versetzte Männer.

Zeitraum

26. Juni 1944 bis 6. April 1945

Anzahl der Häftlinge

1000 Männliche Gefangene

Art der Arbeit

Aufräumungs- und Bauarbeiten

Auftraggeber

Deutsche Erdölraffinerie

Ort

Wegbeschreibung

Friedhof Misburg: Waldstraße, 30629 Hannover.

Mahnmal: Hannoversche Straße, 30629 Hannover, unmittelbar östlich der Kanalbrücke

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

Friedhof: Ab Bahnhof Hannover-Karl-Wiechert-Allee (Züge in Richtung Celle) mit dem Bus 124 in Richtung Waldfriedhof bis zur Endhaltestelle.

Mahnmal: Ab Bahnhof Hannover-Karl-Wiechert-Allee (Züge in Richtung Celle) mit dem Bus 124 in Richtung Waldfriedhof bis zur Haltestelle „Misburg-Seelberg“.

Gedenkstätte

1975 regte der Misburger Altbürgermeister Pott die Aufstellung einer Gedenktafel an. Am 18. November 1979 wurde durch die Bezirksverwaltung Misburg auf dem Waldfriedhof eine Bronzetafel eingeweiht.

Auf dem Gelände des Außenlagers, dem Werksgelände der Deurag-Nerag, befindet sich seit dem 2. Juni 1989 ein Mahnmal des Künstlers Eugène Dodeigne. 

Kontakt

Gegen das Vergessen/ NS-Zwangsarbeit e.V.
Bödekerstraße 7
30161 Hannover

E-Mail: info@ns-zwangsarbeit-hannover.de
Homepage: www.ns-zwangsarbeit-hannover.de