Hamburg-Rothenburgsort

Schulgebäude am Bullenhuser Damm. Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme, 1981. (ANg 1981-962)
Foto vom Schulgebäude am Bullenhuser Damm. Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme, 1981.

Zwischen November 1944 und dem 11. April 1945 bestand in der Schule im Bullenhuser Damm – mitten im ausgebombten Sperrgebiet von Rothenburgsort – ein Außenlager des KZ Neuengamme. Die Stadt Hamburg hatte der SS eigenen Firma Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH das Schulgebäude zur Unterbringung von Häftlingen zur Verfügung gestellt. Vermutlich Ende November 1944 begann ein Vorauskommando mit dem Umbau der Schule zum Außenlager. Anschließend wurden die Häftlinge nach Rothenburgsort gebracht, wo sie überwiegend zu Bauarbeiten eingesetzt wurden. Sie mussten aus Trümmerschutt Steine und Platten herstellen. Im Bericht des SS Standortarztes des KZ Neuengamme, Dr. Trzebinski, vom 29. März 1945 wird für den 25. März 1944 für das Außenlager eine Belegungsstärke von 592 Männern angegeben. Möglicherweise waren es aber deutlich mehr Häftlinge, denn das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt hatte dem Werk die Bereitstellung von tausend Häftlingen zugesagt. Die Häftlinge stammten überwiegend aus Polen und der Sowjetunion. Nach Auflösung des Außenlagers zwischen dem 9. und 11. April 1945 transportierte die SS die Männer in das Kriegsgefangenenlager Sandbostel.

In der Nacht vom 20. auf den 21. April 1945 war das zehn Tage zuvor geräumte Außenlager Ort eines Massenmordes: SS Männer ermordeten 20 jüdische Kinder im Keller des Schulgebäudes. An den fünf- bis zwölfjährigen Kindern hatte der SS Arzt Dr. Kurt Heißmeyer zuvor im Konzentrationslager Neuengamme medizinische Experimente durchgeführt. Mit den Kindern wurden vier weitere Häftlinge, zwei Niederländer und zwei französische Ärzte, die sie im KZ Neuengamme betreut hatten, erhängt. In derselben Nacht wurden mindestens 24 weitere sowjetische Häftlinge, die u.a. aus dem Außenlager Spaldingstraße geholt wurden, ebenfalls dort ermordet.

Leiter des Außenlagers war SS Oberscharführer Ewald Jauch. 

Zeitraum

November 1944 bis 9./11. April 1945

Anzahl der Häftlinge

1000 Männliche Gefangene

Art der Arbeit

Trümmerbeseitigung, Verarbeitung von Trümmerschutt, Aufräumungsarbeiten

Auftraggeber

Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH

Ort

Wegbeschreibung

Gedenkstätte Bullenhuser Damm und Rosengarten für die Kinder vom Bullenhuser Damm
Bullenhuser Damm 92
20539 Hamburg
(ab S Bahnstation Rothenburgsort ausgeschildert)

Anmeldungen für Führungen über den Museumsdienst Hamburg:
Tel.: +49 (0) 40 – 4 28 13 10
Email: info@museumsdienst-hamburg.de
Homepage: www.museumsdienst-hamburg.de

Gedenkstätte

1948 nahm die Schule ihren Betrieb wieder auf, doch an das Außenlager und an den Massenmord im April 1945 wurde zunächst nicht erinnert. Ehemalige Häftlinge des KZ Neuengamme führten zu den Jahrestagen des Mordes an den Kindern, ihren Betreuern und den sowjetischen Kriegsgefangenen zwar regelmäßig Gedenkfeiern durch und die Stadt Hamburg ließ 1963 im Eingangsbereich der Schule eine Gedenktafel anbringen, doch erst mit der Gründung der „Vereinigung Kinder vom Bullenhuser Damm e.V.“ 1979 begann eine öffentliche Auseinandersetzung um diesen historischen Ort. 1980 wurde die Schule in „Janusz-Korczak-Schule“ umbenannt und eine erste Ausstellung in den Kellerräumen der Schule eröffnet. Die Ausgestaltung der Gedenkstätte, die lange Zeit von der Vereinigung privat betreut wurde, erfolgte in mehreren Schritten. Seit 1987 ist hier das raumfüllende Wandbild „21. April 1945, 5 Uhr morgens“ von des Bremer Malers Jürgen Waller zu sehen, das den Keller der Schule am Morgen nach der Ermordung der Kinder darstellt. Seit 1999 ist die Gedenkstätte eineAußenstelle der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Seit 2011 wird in erweiterten Kellerräumen eine neue zweisprachige Ausstellung (deutsch, englisch) gezeigt.

Ergänzend zur Ausstellung erinnert seit 1985 ein von der Hamburger Künstlerin Lili Fischer entworfener Rosengarten an die Opfer des Massenmordes. Besucherinnen und Besucher der Gedenkstätte können hier zum Gedenken eine Rose pflanzen. Am Zaun des Gartens haben Angehörige kleine persönliche Gedenktafeln mit Porträtfotos und Texten angebracht. Neben dem Eingang des Rosengartens ließ das sowjetische Kultusministerium zum 50. Jahrestag der Befreiung 1995 eine Bronzeplastik des Künstlers Anatoli Mosjitschulk aufstellen, die an die ermordeten sowjetischen Häftlinge erinnert.

Kontakt

KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Jean-Dolidier-Weg 75, 21039 Hamburg

Tel.: +49 (0) 40 – 4 28 13 15 00
Fax: +49 (0) 40 – 4 28 13 15 01
Email: info@kz-gedenkstaette-neuengamme.de
Homepage: www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de

Vereinigung Kinder vom Bullenhuser Damm e.V.
Bahrenfelder Kirchenweg 29
22761 Hamburg

Email: info@kinder-vom-bullenhuser-damm.de
Homepage: www.kinder-vom-bullenhuser-damm.de