Fallersleben-Laagberg (Männer)

Häftlingsunterkunft in Fallersleben. Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme, 1944. (ANg 1981-294)
Foto der Häftlingsunterkunft in Fallersleben. Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme, 1944.

Seit 1941 setzte das Volkswagenwerk neben vielen tausend ausländischen Zwangsarbeiterinnen, Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen in seiner Rüstungsproduktion auch KZ-Häftlinge ein. Im Unterschied zum 1942 eingerichteten formal eigenständigen KZ Arbeitsdorf handelte es sich bei den beiden 1944 in Fallersleben errichteten Lagern für männliche und weibliche Häftlinge um Außenlager des KZ Neuengamme. Zunächst trafen am 31. Mai 1944 800 männliche Häftlinge aus dem Stammlager Neuengamme auf dem Laagberg ein, etwa drei Kilometer vom Volkswagenwerk entfernt. 350 von ihnen kamen aus Frankreich, 150 aus den Niederlanden, 150 aus der Sowjetunion und Polen sowie 100 aus Spanien. Etwa 18 deutsche Funktionshäftlinge hatten die Aufgaben in der Häftlingsverwaltung wahrzunehmen. Die Häftlinge wurden für den Arbeitseinsatz in neun Kolonnen eingeteilt. Acht Kolonnen arbeiteten für die Deutsche Bau AG, die im Auftrag des Volkswagenwerks Baracken für ein neues Lager errichten sollte. Die neunte Kolonne, ausschließlich sowjetische Häftlinge, musste in den Schmiedebetrieben des Volkswagenwerkes arbeiten.

Nach Angaben des SS-Standortarztes des KZ Neuengamme, Dr. Trzebinski, waren am 25. März 1945 noch 656 männliche Häftlinge zur Arbeit im Volkswagenwerk eingesetzt. Die übrigen 144 Häftlinge waren entweder gestorben oder wegen Erschöpfung ins Stammlager Neuengamme zurückgeschickt worden. Anfang April kamen im Zuge der Räumung der Lager in Porta Westfalica weitere Häftlinge nach Fallersleben. Sämtliche Häftlinge wurden am 8. April per Bahn in das Auffanglager Wöbbelin bei Ludwigslust transportiert.

Lagerführer war SS-Hauptscharführer Johannes Pump, sein Stellvertreter, gleichzeitig zuständig für den Arbeitseinsatz, war der aus Dänemark stammende SS-Unterscharführer Anton Callesen. Pump wurde im Januar 1945 durch den Wehrmachtsoffizier Karl Werringloer ersetzt, worauf sich die Bedingungen im Lager für kurze Zeit verbesserten. 

Zeitraum

31. Mai 1944 bis 8. April 1945

Anzahl der Häftlinge

800 Männliche Gefangene

Art der Arbeit

Bauarbeiten

Auftraggeber

Volkswagenwerk, Deutsche Bau AG

Ort

Wegbeschreibung

Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft:
Wolfsburg, Werderstraße/Ecke Schulenburgallee, 38448 Wolfsburg (ab ZOB Porschestraße mit dem Bus 1 bis zur Haltestelle „Waldfriedhof“).

Mahnmal Außenlager Laagberg des KZ Neuengamme:
Wolfsburg, Breslauer Straße/Schlesierweg (ab ZOB Porschestraße mit dem Bus 1 bis zur Haltestelle „Samlandweg“).

Dokumentation über die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft:
Stadtmuseum Schloss Wolfsburg, Schlossremise, Schlossstraße 8 (ab ZOB Porschestraße mit dem Bus 1 bis zur Haltstelle „Schloss“).

Erinnerungsstätte an die Zwangsarbeit:
VW-Autostadt am Mittellandkanal (weiträumig ausgeschildert).

Gedenkstätte

In den Jahren 1983 bis 1986 wurde auf Initiative verschiedener gesellschaftlicher Gruppen in Wolfsburg ein historischer Aufklärungsprozess eingeleitet. Daraufhin wurde 1985 und 1986 der „Ausländerfriedhof“, auf dem sich neben den Gräbern der nach der NS-Ideologie als „rassisch minderwertig“ eingestuften Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern auch die Gräber ehemaliger KZ-Häftlinge befinden, in „Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ umbenannt und eine neue Gedenktafel errichtet, die auch auf das Schicksal der KZ-Häftlinge hinweist.

Auf Initiative der „Amicale Internationale de Neuengamme“ wurde am 8. Mai 1987 ein Gedenkstein im Stadtteil Laagberg eingeweiht, der an den Standort des ehemaligen Außenlagers erinnert.

Die 1990 im Stadtmuseum Schloss Wolfsburg eröffnete und 2000 umfassend überarbeitete „Dokumentation über die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ widmet einen eigenen Ausstellungsteil im zweiten Obergeschoss der Geschichte des Häftlingseinsatzes im Volkswagenwerk. Schwerpunkte bilden der Arbeitseinsatz im KZ „Arbeitsdorf“ 1942, dessen Häftlinge u. a. aus Häftlingen des KZ Neuengamme kamen, und der KZ-Alltag 1944/45 im Frauen- und im Männeraußenlager Fallersleben.

Nachdem in Wolfsburg seit Mitte der 1980er-Jahre die Geschichte der Zwangsarbeit im Volkswagenwerk thematisiert wurde, begann auch die Volkswagen AG sich der eigenen Geschichte zu stellen, u. a. wurden eine Forschungsarbeit zum Zwangsarbeitereinsatz bei VW in Auftrag gegeben und finanzielle Mittel für humanitäre Projekte und für Entschädigungszahlungen bereitgestellt. Im Dezember 1999 richtete die Volkswagen AG in einem ehemaligen Bunker auf dem Werksgelände eine „Erinnerungsstätte an die Zwangsarbeit“ ein. Eine der sechs Abteilungen befasst sich auch ausführlich mit der Situation der im Volkswagenwerk eingesetzten KZ-Häftlinge.

Öffnungszeiten:
Erinnerungsstätte an die Zwangsarbeit: Ein Besuch der Ausstellung ist nach Anmeldung beim VW-Unternehmensarchiv möglich.

Kontakt

Stadtmuseum Schloss Wolfsburg
Schlossstraße 8
38448 Wolfsburg

Tel.: +49 (0) 5361 – 8 28 54 0 (Anmeldung gedenkstättenpädagogischer Workshops unter Tel. +49 (0) 5361 – 2 75 73 9)
Homepage: http://www.wolfsburg.de/... 

Volkswagen Kommunikation
Unternehmensarchiv
Brieffach 19 74
38436 Wolfsburg

Tel.: +49 (0) 5361 – 9 75 66 7
Fax: +49 (0) 5361 – 9 76 95 7
Email: unternehmensarchiv@volkswagen.de