Bremen-Blumenthal

Im Ende August 1944 errichtete die SS in Bremen-Blumenthal ein Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme. Am 6./7. September wurden zunächst etwa 800 Häftlinge dorthin verlegt. Das Lager befand sich auf der Bahrsplate, einer großen, direkt an der Weser gelegenen Freifläche in Blumenthal. Die Häftlinge wurden für Arbeiten in der größten Bremer Werft Deschimag (Deutsche Schiffs- und Maschinenbau AG) eingesetzt, die zum Krupp-Konzern gehörte. Ein Kommando wurde täglich per Schiff auf der Weser stadteinwärts zum etwa zehn Kilometer entfernten Stammwerk der Werft in Bremen-Gröpelingen transportiert. Nachdem der Transport durch die zunehmenden Bombenangriffe der Alliierten zu gefährlich geworden war, wurde ein Teil dieses Kommandos Weihnachten 1944 in das Außenlager Bremen-Schützenhof in der Nähe der Werft verlegt.

Das zweite große Arbeitskommando des Lagers arbeitete ebenfalls für die Deschimag. Jedoch hatten die hier eingesetzten Häftlinge einen Fußmarsch von etwa einem Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz zurückzulegen. Die Deschimag hatte dort einen Teil des Fabrikgeländes der nahe gelegenen Bremer Wollkämmerei gemietet und setzte die Häftlinge zum Bau von Turbinen für U-Boote ein.

Nach Überstellung des Kommandos ins Außenlager Bremen-Schützenhof wurde das Außenlager Blumenthal mit neuen Häftlingen aus dem Stammlager Neuengamme auf 1000 Häftlinge verstärkt. Möglicherweise wurde ein Teil auch beim Bau des U Boot-Bunkers „Valentin“ in Bremen-Farge eingesetzt. Nach Angaben des SS Standortarztes des KZ Neuengamme, Dr. Trzebinski, vom 29. März 1945 waren in Blumenthal 929 männliche KZ-Häftlinge zur Arbeit eingesetzt. Eine größere Häftlingsgruppe stellten die belgischen Gefangenen, außerdem befanden sich Häftlinge aus Frankreich, der Sowjetunion und Polen im Lager. Etwa 170 Gefangene waren jüdischer Herkunft; sie gehörten mehrheitlich dem Kommando an, das im Dezember zum Außenlager Bremen-Schützenhof überstellt wurde.

Lagerführer des Außenlagers war der von der Wehrmacht überstellte Oberfeldwebel Richard-Johann vom Endt, der bei Übernahme der Funktion den Rang eines SS-Hauptscharführers erhielt.

Zwischen dem 7. und 9. April wurden die Häftlinge von Blumenthal zunächst zum Außenlager Bremen-Farge überstellt, das als Sammellager für alle männlichen KZ-Häftlinge der Region Bremen diente. Die „marschfähigen“ Häftlinge mussten nach Bremervörde marschieren, wo sie in Viehwaggons verladen und über Winsen/Luhe ins Stammlager Neuengamme zurückgebracht wurden. Andere Häftlinge kamen zu Fuß oder per Bahn direkt in das Kriegsgefangenenlager Sandbostel bei Bremervörde. Die jüdischen Häftlinge des Lagers Blumenthal wurden direkt zum KZ Bergen-Belsen transportiert.

Zeitraum

2. Hälfte August 1944 bis Anfang April 1945

Anzahl der Häftlinge

1000 Männliche Gefangene

Art der Arbeit

Werftarbeiten

Auftraggeber

Deutsche Schiffs- und Maschinenbau AG (Deschimag), Krupp-Konzern

Ort

Wegbeschreibung

Autobahn 27 Richtung Cuxhaven bis Ausfahrt "Burglesum/Verteilerkreis Bremen-Nord", dann auf der A 270 bis zur Ausfahrt 2, Richtung Bremen-Lüssum/Schwanewede, fahren. Bei der Lüssumer Straße links und der Landrat-Christians-Straße rechts abbiegen auf die Weserstrandstraße, an der die ausgeschilderte Gedenkstätte "Bahrsplate" gelegen ist.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Mit dem Zug bis Bremen-Vegesack; dann Bus 70 oder 71 in Richtung Farge/Neuenkirchen bis zur Haltestelle „Zum Donaufleet“ oder „Fähre Blumenthal“; das ehemalige Außenlagergelände wird nach Überqueren des Weserdeichs erreicht.

Öffnungszeiten: Der Park ist jederzeit zugänglich.

Gedenkstätte

Auf dem ehemaligen Außenlagergelände, der heutigen Mahn- und Gedenkstätte Bahrs Plate, befindet sich seit 1985 auf einem Betonsockel eine Gedenktafel, die von einem Rosengarten umgeben ist.

Initiator der Gedenktafel war der Antifaschistische Arbeitskreis des Gustav-Heinemann-Bürgerhauses in Bremen-Vegesack. Um die Ausschilderung des Gedenkortes wurde zwischen der Stadt Bremen und privaten Initiativen eine längere Auseinandersetzung geführt.

Seit 1991 befinden sich neben der Gedenktafel zwei Sandsteinskulpturen des Bildhauers Paul Bichler, die an die Leiden der ebenfalls in Lagern auf der Bahrs Plate eingesetzten Kriegsgefangenen erinnern.

Seit 4.11.2009 erinnert das Mahnmal „Stein der Hoffnung“ mit 124 Namenstafeln an das Schicksal der KZ-Häftlinge dieses Außenlagers. Das torähnliche Denkmal wurde von Mitarbeitern der Internationalen Friedensschule Bremen in Zusammenarbeit mit Schülern und Lehrern der FOS Architektur/Bau der Alwin-Lonke-Schule in Bremen unter Einbeziehung von Pflastersteinen des Arbeitsweges der Häftlinge erbaut.

Kontakt

Gustav-Heinemann-Bürgerhaus
Kirchheide 49
28757 Bremen

Tel.: +49 (0) 421 – 6 59 97 0
Fax: +49 (0) 421 -  6 59 97 11

SPD-Ortsverein Farge-Rekum
Arbeitsgruppe Geschichte
Jagdweg 16
28779 Bremen

Tel.: +49 (0) 421 – 6 09 92 53
Email: info@spurensuche-bremen.de