16.02.2021 Nachricht

Wir trauern um Uwe Storjohann

Wie wir heute erfuhren, starb Uwe Storjohann am 24. Januar 2021. Ein Leben gegen Drill und Unfreiheit, für Aufklärung und Bildung, für den Rundfunk und gegen das Vergessen ging zu Ende.

Am 22. November 1925 geboren, gehörte Uwe Storjohann während der Nazizeit zu den Swingboys in Hamburg. Obwohl die Swing-Jugendlichen als Gruppe weder organisiert waren noch in politischen Opposition zum Nationalsozialismus standen, wurden sie von der HJ-Führung und der Gestapo als politisch gefährlich eingestuft und verfolgt. Als Zeitzeuge berichtete Uwe Storjohann immer wieder von der Bedeutung der Swingmusik für sein Leben, von seinen Erfahrungen von Ausgrenzung und Freiheitsbeschränkungen, aber auch Solidarität und der Bedeutung von Freiheit als Lebensgefühl. Bei Kriegsende war er Zeuge der Hinrichtung von Deserteuren auf dem Schießplatz Höltigbaum. Über seine Erlebnisse schrieb er das Buch „Hauptsache: Überleben. Eine Jugend im Krieg 1936-1945“, das 1993 erschien. Einem noch größerem Publikum war er als langjähriger Rundfunkredakteur des NDR bekannt. Bis 1990 leitete er den NDR-Schulfunk.

Wir vermissen Uwe, der mit so viel Schwung und Lebensfreude von der Swing-Musik und der Liebe zur Freiheit berichten konnte und andere dabei immer wieder aufs Neue zu begeistern vermochte. Unser Mitgefühl gehört seiner Familie. Die Familie hat eine Gedenkseite eingerichtet.

„Würde ich gefragt werden, welches Ereignis aus dem Sommer 1941 mir am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben ist, fiele die Antwort leicht. Es war das Gastspiel des holländischen Attraktionsorchesters John Kristel im Alsterpavillon am Hamburger Jungfernstieg. […] Unter den Swing-Cliquen verbreitete sich die Sensation: ‚Im Alsterpavillon spielt eine Wahnsinnsband!‘ Das betraf sicherlich nicht die musikalischen Fähigkeiten des Orchesters – es war der Enthusiasmus für den live kreierten, unverfälschten anglo-amerikanischen Swing-Sound. […] Im Alsterpavillon sind wir unter uns, jeder zwar in seiner Clique, aber die Cliquen vereint das gleiche Feeling, die gleiche Liebe zu Hot und Jazz, die gleiche Verachtung für Hitlerjugend und braune Uniformen.“ (Aus: Uwe Storjohann: Ohne Tritt im Lotterschritt. Vor 50 Jahren: Hatz auf die „Swings“, die dem NS-Volksempfinden trotzten, in: Die Zeit, Nr. 36, 30.8.1991)

Bericht über Uwe Storjohann im „Spiegel“ 2016

Schlagworte: Nachruf (25)