24.06.2021 Nachricht

Wir trauern um Pit Goldschmidt

Pit Goldschmidt war oft auf Gedenkveranstaltungen und Ausstellungseröffnungen zu nationalsozialistischen Themen in Hamburg anzutreffen. Er setzte sich unermüdlich gegen das Vergessen von Verfolgung und Vertreibung, gegen Ignoranz, Antisemitismus und Rassismus ein.

Pit Goldschmidt, geb. 1935 in München, wurde als Kleinkind von seiner Mutter, die ihn vor den Nationalsozialisten in Sicherheit bringen wollte, in ein katholisches Kinderheim gegeben. Seine Kindheit verbrachte er in verschiedenen Heimen und bei Pflegeeltern. Wie durch ein Wunder überlebte seine jüdische Mutter die Verfolgung und Deportation in das Ghetto Theresienstadt und kehrte nach der Befreiung 1945 nach Hamburg zurück. Pit konnte 1946 nach Hamburg zu seiner Mutter kommen, die er erst jetzt kennen lernte.

Angesichts der unfassbaren Verbrechen, die auch seine engsten Angehörigen nur durch Glück und Zufälle überlebt hatten, war Pit empört über das gesellschaftliche Schweigen der Deutschen in der Nachkriegszeit. Die Tatsache, dass die für schwerste Verbrechen Verantwortlichen weitgehend unbehelligt leben konnten, ließ ihn zeitlebens wachsam und mahnend sein. Ihm war es ein Anliegen, die Erinnerung wach zu halten und die Verbrechen und das Verdrängen zu benennen. Unermüdlich legte er in Vorträgen, Diskussionsveranstaltungen und kritischen Leserbriefen den Finger in die offenen Wunden öffentlicher Geschichtsvergessenheit. Pit nahm zuletzt großen Anteil an der Entwicklung des Gedenkorts „denk.mal Hannoverscher Bahnhof“.

Pit Goldschmidt pflegte die historische Hinterlassenschaft seiner Mutter Käthe Starke-Goldschmidt, indem er unter anderem die Ausstellung „Das Theresienstadt-Konvolut“ und die Neuauflage der Erinnerungen seiner Mutter über das Ghetto Theresienstadt möglich machte. Ebenso setzte er sich für die Erinnerung jüdischer Opfer des Nationalsozialismus wie an den Auschwitz-Überlebenden Martin Starke, den späteren Ehemann seiner Mutter ein. Für Martin Starke und dessen drei ermordeten Töchter wurden Stolpersteine gesetzt. 

Pit Goldschmidt starb nach langer Krankheit am 31. Mai 2021 in Hamburg. Sein wacher Geist, sein verschmitztes Lächeln, sein beißender Humor werden sehr fehlen.

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