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04.06.2026
Die Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte beteiligte sich dieses Jahr bereits zum dritten Mal am vielfältigen Programm des Queer History Month Hamburg.
Erinnerung und Vermittlung vor Ort
Rundgänge an verschiedenen Gedenkorten thematisierten die Lebenssituationen und Verfolgung queerer Menschen in Hamburg während des Nationalsozialismus. Am 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit, fand der Themenrundgang „Queere Menschen im Nationalsozialismus“ an der KZ-Gedenkstätte Neuengamme statt. Anhand verschiedener Biografien vermittelten Jona Diwiak und Ansgar Tonya Karnatz die Haftbedingungen für queere Gefangene im KZ Neuengamme und dessen Außenlagern sowie Kontinuitäten der Verfolgung und Diskriminierung nach dem Nationalsozialismus.
Bei dem Rundgang „Im Schatten des Stadthauses: Queere Lebenswege und Verfolgung“ von Ansgar Tonya Karnatz am 30. Mai am Geschichtsort Stadthaus standen die Lebensgeschichten queerer Menschen im Mittelpunkt, deren Verfolgung im Stadthaus von den dort ansässigen Polizeidienststellen geplant und umgesetzt wurde. Anhand von mehreren Biografien wurde die gesellschaftliche Ausgrenzung und die enge Vernetzung von Polizei, Gestapo, Sozial- und Gesundheitsbehörde bei der Verfolgung queerer Menschen thematisiert.
Beim Rundgang „Queere Hamburger*innen während des Holocaust“ am 31. Mai am denk.mal Hannoverscher Bahnhof stellten Isabel Rheims und Juliane Podlaha Biografien queerer jüdischer Menschen vor, die aus Hamburg deportiert und in Ghettos sowie Konzentrations- und Todeslager verschleppt wurden. Queere Jüdinnen*Juden sowie Sinti*ze und Rom*nja erfuhren dabei mehrfache Marginalisierung und nur wenige von ihnen konnten oder wollten nach 1945 über ihre Queerness sprechen.
Queere Gedenkgala auf Kampnagel
Ausgehend von diesen Leerstellen der Erinnerung widmete sich die queere Gedenkgala am 19. Mai auf Kampnagel den Möglichkeiten, sich den kaum überlieferten und vielfach verdrängten Geschichten queerer Menschen im Nationalsozialismus künstlerisch anzunähern, sie so sichtbar zu machen und zu erinnern. Im Mittelpunkt standen dabei die Biografien und das Schaffen von queeren Künstler*innen, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden, sowie Fragen nach ihrer Selbstbehauptung und Widerständigkeit.
Mehrere Beiträge befassten sich mit der Biografie von Liddy Bacroff, die als trans Frau und Sexarbeiterin in Hamburg verfolgt wurde. Ausgehend von ihren Texten, die sie im Gefängnis verfasste, reflektierte Paul Ninus Naujoks über die Spuren queeren Lebens auf St. Pauli und deren Bedeutung für heutige queere Communities. Ein Gespräch mit René*e Reith gab Einblick in die Performance „Tänze fast vergessener Geister“ und Dina Polus entwickelte eine vestimentäre Installation als spekulative Annäherung an Bacroffs Leben. Blessless Mahony und Nebou N’Diaye widmeten sich der Dada-Künstlerin Hannah Höch sowie der Hamburger jüdischen Malerin Anita Rée. In ihrer Performance setzten sich Maria Babusch und Yohan Holtkamp mit der kommunistischen Widerstandskämpferin, Schriftstellerin und Überlebenden des KZ Neuengamme Ovida Delect auseinander. Ausgangspunkt bildeten Ovida Delects Gedichte sowie Fragen nach deren Übersetzung vom Französischen ins Deutsche und der Suche nach den Rechteinhaber*innen.
Didine van der Platenvlotbrug betrachtete die Geschichte des jüdischen Tänzers und Widerstandskämpfers Sylvin Rubinstein als Beispiel für den Einsatz queerer Praktiken für den Widerstand. Rubinstein übernahm nach der Ermordung seiner Zwillingsschwester deren Kostüm und Bühnenfigur und nutzte diese für Anschläge und Botengänge. Die Performance von Joëlle Mesén-Ramírez schließlich verknüpfte die Biografien von Ovida Delect und dem Künstler Karl Pärsimägi mit der Metapher des „Häutens“ – als Prozess des Schutzes und der Selbstbehauptung gegenüber Zuschreibungen, die queere Menschen im Nationalsozialismus als „anders“ oder „abweichend“ markierten. Für die musikalische Rahmung des Abends interpretierten Tim und Daniel Stolte vom Einhornkollektiv Werke des schwulen Liedtexters Bruno Balz sowie das „Lila Lied“, eine frühe Hymne der queeren Bewegung der Weimarer Republik.
Moderiert wurde der künstlerische Abend von Didine van der Platenvlotbrug und Nebou N’Diaye. Er wurde unterstützt vom Hamburger Bezirksamt Nord und fand als Kooperationsveranstaltung der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte mit Kampnagel Hamburg statt.
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