28.02.2019 Nachricht

Wir erinnern an Pascal Valliccioni

Pascal Valliccioni neben Detlef Garbe, Carola Veit und seiner Tochter Pascale Evans Foto: Mark Mühlhaus (attenzione photographers), 2018
Pascal Valliccioni Foto: Mark Mühlhaus, attenzione photographers, 2018

Heute erhielten wir die traurige Nachricht, dass Pascal Valliccioni am Morgen des 27. Februar 2019 im Alter von 92 Jahren verstorben ist. Monsieur Valliccioni war Häftling des KZ Neuengamme. Noch im Mai 2018 war er zur Gedenkveranstaltung anlässlich des 73. Jahrestags der Befreiung in die Gedenkstätte gereist, war in einem Zeitzeugengespräch mit jungen Menschen ins Gespräch gekommen und hatte eine eindrucksvolle Rede über seinen Lebens- und Leidensweg vorbereitet, die seine Tochter während der Gedenkfeier verlas.

Pascal Valliccioni wurde am 5. April 1944 im Alter von 17 Jahren verhaftet. Bevor er am 29. August 1944 aus Belfort in das Konzentrationslager Neuengamme deportiert wurde, war er in den Gefängnissen von Gap, Les Baumettes und Fort Hattry inhaftiert. Bis zu seinem Tod verfolgte ihn die Erinnerung an die organisierte Entmenschlichung, das seelische Leid und die Demütigungen der Nationalsozialisten. Am 1. September 1944, so erinnerte er sich, „war ich innerhalb weniger Sekunden keine Person mehr, nichts mehr. Nur noch eine Nummer, die 43778, ein ‚Stück‘, wie uns die SS und ihre Handlanger nannten, als sie uns auf dem Appellplatz immer wieder zählten.“ Valliccioni gehörte zu einer Gruppe französischer Deportierter, die in das Neuengammer Außenlager Wilhelmshaven überstellt wurden. Am 5. April 1945 wurde das Außenlager geräumt und die Häftlinge mussten auf einen 330 km langen „Todesmarsch“ gehen, der im Auffanglager Sandbostel endete, das zum überfüllten Sterbelager wurde. Nach seiner Befreiung wurde Valliccioni durch eine Delegation des Schwedischen Roten Kreuzes am 10. Mai 1945 zur Genesung nach Malmö gebracht.

Auf der Gedenkfeier 2018 beendete Pascal Valliccioni seine Rede mit der Frage nach dem Einfluss der letzten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen: „Ob die jungen Menschen verstehen, dass wir Zeugnis ablegen, um sie zu warnen? Verstehen sie, dass wir Zeugnis ablegen, um vor dem leise aufkommenden Hass zu warnen? Ihr müsst euch gemeinsam empören, zusammenstehen, eine Front bilden, einer noblen Sache dienen: dem Humanismus, dem Respekt gegenüber anderen, der Versöhnung.“

Unsere Gedanken sind bei seiner Frau Juliette, seinen Kindern und den Enkelkindern.

 

Bericht über die Gedenkfeier zum 73. Jahrestag der Befreiung inklusive Redetext von Pascal Valliccioni: https://www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de/nachrichten/news/bericht-zum-73-jahrestag-des-kriegsendes-und-der-befreiung-der-konzentrationslager/

Gedanken von Robin Evans über seinen Großvater:https://reflections.news/de/das-bild-das-ich-von-meinem-grossvater-habe-ist-immer-gleich-geblieben-das-eines-helden-also-eines-vorbildes/