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07.10.2026 Bericht

„Türöffner-Tag“ in der KZ–Gedenkstätte Neuengamme – Kinder erforschen die Geschichte des KZ Neuengamme

Dieses Jahr beteiligte sich die KZ-Gedenkstätte Neuengamme bereits zum zweiten Mal am bundesweiten Aktionstag „Türen auf mit der Maus“.

Wieder dabei!

Am Tag der Deutschen Einheit laden seit 2011 Veranstalter*innen in ganz Deutschland Kinder ein, durch unterschiedliche Aktivitäten Einblicke in ihre Themenfelder zu bekommen. Die positive Resonanz, vor allem aber die vielen Fragen der Kinder im Vorjahr hatten das Team der Abteilung „Bildung und Studienzentrum“ darin bestärkt, am 3. Oktober 2026 erneut ein Angebot für Kinder ab acht Jahren zu entwickeln. Und so konnten sich die Kinder in archivpädagogischen und familiengeschichtlichen Workshops, einer Druckwerkstatt zum Mitmachen, einer Lesung aus einem Kinderbuch, einer Familienführung und einer Rallye mit Solidarität, Handlungsspielräumen und Bezügen zwischen Geschichte und Gegenwart befassen. 

Kurze und lange Wege in die KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Zwischen 10 und 17 Uhr suchten 50 Kinder im Alter zwischen sechs und 15 Jahren und ihre erwachsenen Bezugspersonen in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme entsprechend dem Thema des diesjährigen Aktionstags nach „kleinen Wundern“. Manche Familien hatten lange Anfahrten aus dem Hamburger Umland auf sich genommen, um am „Maus-Tag“ teilzunehmen. Andere wiederum kamen aus der unmittelbaren Umgebung. Und auch dieses Jahr störte sich kein Kind daran, dass die WDR-Maus den Weg bis in den Norden nicht auf sich genommen hatte. Kein Wunder, denn die „Maus“ kann man jederzeit im Internet ansehen. Aber die Gelegenheit, Originaldokumente aus der NS-Zeit, die extra für die Kinder aus einem feuerfesten Archivschrank geholt wurden, mit Handschuhen anfassen zu dürfen, ergibt sich nicht jeden Tag. Genauso wenig alltäglich war die Begegnung mit Uta und „Opa“ Berni, den Kindern zweier Überlebender des KZ Neuengamme. Utas Vater hat seine Meinung über die Nazis nicht verheimlicht. Er wurde verhaftet und in verschiedenen KZs gefangen gehalten. Nur dank der Solidarität seiner Mithäftlinge konnte er überleben. Die Familie von Berni war ebenfalls im Widerstand. Seine Familiengeschichte hat die Autorin Stefanie Taschinski zu dem Kinderbuch „Die Mutsammlerin“ inspiriert, aus dem sie für die Kinder vorgelesen hat. Gemeinsam mit Berni hat sie anschließend Bücher signiert. 

Botschaften der Kinder

Im Anschluss an den Workshop „Hermann Kühl – Seemann, Widerstandskämpfer, Papa“, in dem das Festhalten an und öffentliche Vertreten der eigenen Haltung eine wichtige Rolle spielte, ging es um die Meinungsfreiheit von Kindern heute. Nach einer kurzen Einführung in das Anfertigen von Druckplatten und den Druckvorgang machten sich die Kinder daran, ihre eigenen Botschaften zu Papier zu bringen. Diese reichten von „Nie wieder“ über „Jeder ist ok“ bis hin zu „Du bist stark und deine Stimme ist wichtig“.  

„Mir hat alles gut gefallen.“

Die meisten Kinder besuchten mehr als nur einen Veranstaltungspunkt. Ab und an waren sogar Diskussionen zwischen Kindern und erwachsenen Begleitpersonen zu überhören, in denen das Kind deutlich zu verstehen gab, dass es noch nicht bereit war zu gehen. Ein Kind, das schon am Vormittag in die KZ-Gedenkstätte Neuengamme gekommen und sogar noch für die Lesung am späten Nachmittag geblieben war, konnte sich gar nicht entscheiden, welcher Programmpunkt denn am besten gewesen sei. Und auf einem der ausgelegten Feedback-Zettel hatte ein Kind auf die Frage „Wie war es mit der Maus?“ nicht nur Lob für einzelne Programmpunkte aufgeschrieben, sondern das Blatt mit „Das beste Museum“ betitelt. 

Swenja Granzow-Rauwald