03.03.2022 Nachricht

Wir trauern: Teresa Stiland wurde 96 Jahre alt

Mit großer Trauer haben wir erfahren, dass unsere Freundin Teresa Stiland gestern in Paris verstorben ist. Teresa Stiland wurde 1925 als Matla Rozenberg in eine jüdische Familie im polnischen Tschenstochau geboren. Sie war 14 Jahre alt, als die deutschen Truppen Lodz besetzten, wo sie bei ihren Großeltern lebte. Matla gelang es, das Getto Litzmannstadt/Lodz zu überleben, ihre Angehörigen starben in den Gettos oder wurden in Treblinka ermordet.

Mit der Räumung des Gettos im Sommer 1944 gelangte Matla Rozenberg in das KZ Auschwitz-Birkenau, wo sie als „arbeitsfähig“ für einen Transport nach Hamburg ausgesucht wurde. Sie war in den Außenlagern des KZ Neuengamme Dessauer-Ufer und Sasel inhaftiert, wo sie schwere Zwangsarbeit im Hafen und im Stadtgebiet verrichten musste. Ihre Befreiung erlebte sie im KZ Bergen-Belsen.

Zunächst kehrte Matla Rozenberg nach Polen zurück, wo sie aber niemanden aus ihrer Familie wiederfand. Sie arbeitete für die jüdische Kinderhilfsorganisation OSE und erlernte dann den Beruf der Krankenschwester. Aufgrund des Antisemitismus in Polen änderte sie ihren Namen in Teresa Matuszewska. 1957 emigrierte sie schließlich nach Paris, wo ein Onkel und eine Cousine sie aufnahmen. Teresa gelang es, sich ein erfülltes Leben aufzubauen, mit vielen Freundschaften von Überlebenden in aller Welt. Sie heiratete Marian Stiland, der ebenfalls Überlebender der Konzentrationslager war und bekam eine Tochter. Ihre Familie war Teresa Stiland das Wichtigste im Leben. Sie berichtete immer voller Stolz und Freude von ihrer Tochter, ihren vier Enkelinnen und Enkeln sowie drei Urenkelinnen und Urenkeln.

Teresa Stiland gab der KZ-Gedenkstätte Neuengamme bereits 1986 ein erstes Interview über ihre Haftzeit in den Hamburger Außenlagern. Sie kehrte mehrmals nach Hamburg zurück und berichtete vor Schülerinnen und Schülern von ihrer Verfolgung und ihrem Überleben, sei es in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, am Gymnasium Oberalster oder bei Gedenkveranstaltungen in Poppenbüttel/Sasel. Ihr Lebensweg wird ebenfalls in der Hauptausstellung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, der Gedenkstätte Plattenhaus Poppenbüttel und einer Ausstellung in den ehemaligen Zwangsarbeiterbaracken in Fuhlsbüttel vorgestellt. In Paris war sie häufig als Zeitzeugin im Mémorial de la Shoah eingeladen. Teresa Stilands Lebensgeschichte wurde 2017 unter dem Titel „Dernier chemin vers le paradis“ veröffentlicht.

Teresa Stiland ist im Alter von 96 Jahren von uns gegangen. Wir werden ihre warmherzige, neugierige und zugewandte Art sehr vermissen! Unsere Gedanken sind bei ihrer Familie.

Biografie Hauptausstellung
Biografie „Dernier chemin vers le paradis
Ausstellungsflyer der Willi-Bredel-Gesellschaft-Geschichtswerkstatt über Zwangsarbeit in Hamburg

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