01.10.2019 Bericht

Gedenken an die deportierten Männer von Putten

Gedenkstele am Ort des Anschlags zwischen Putten und Nijkerk Foto: Hanno Billerbeck, 2014. Quelle: Archiv der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, F 2014-439
Gedenkstein Putten in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme Foto: Zoia Kashafutdinova, Quelle: KZ-Gedenkstätte Neuengamme (ÖA), 2014

Putten ist eine ländlich geprägte Gemeinde in der niederländischen Provinz Gelderland, 70 Kilometer östlich von Amsterdam. Zwischen Putten und dem 10 Kilometer entfernten Nijkerk verübten niederländische Widerstandskampfer in der Nacht zum 1. Oktober 1944 einen Anschlag auf ein Fahrzeug der deutschen Wehrmacht. Zwei der Insassen starben an den Folgen des Anschlags. Am Nachmittag des nächsten Tages wurden 659 Männer aus Putten in das Durchgangslager Amersfoort deportiert.

Am 11. Oktober wurden 601 von ihnen weiter in das KZ Neuengamme deportiert. Die verbliebenen 58 Männer konnten nach kurzer Haft in Amersfoort nach Putten zurückkehren. Am 14. Oktober 1944 trafen 588 der 601 Männer aus Putten im KZ Neuengamme ein – 13 von ihnen war während des Transports die Flucht gelungen. Fast alle Männer aus Putten wurden in Außenlager des KZ Neuengamme überstellt, mehr als die Hälfte nach Ladelund und Husum-Schwesing. Bis zum Kriegsende starben 540 der aus Putten Deportierten infolge der Arbeitsbedingungen, an Unterernährung und Krankheiten, durch Misshandlungen der Wachmannschaften oder nach der Räumung des KZ Neuengamme und der Außenlager bei der Bombardierung der mit Häftlingen beladenen Schiffe "Cap Arcona und "Thielbek" in der Lübecker Bucht am 3. Mai 1945.

Nur 48 Männer kehrten nach Kriegsende nach Putten zurück. Sie mussten ihre eigenen traumatischen Erlebnissen bewältigen und hatten zugleich die schwierige Aufgabe, den Familien die Nachrichten über den Tod der anderen aus Putten verschleppten Männer zu überbringen. Trauer, Schuldgefühle, gegenseitige Vorwurfe, materielle Not, zusätzlich das Zusammenleben mit ehemaligen Kollaborateuren und Kollaborateurinnen, stellten eine große Belastung der Dorfgemeinschaft dar.

Die Erinnerung an die im Konzentrationslager Ermordeten ist in Putten bis heute lebendig. Die 2015 erstellte Wanderausstellung "Deportiert ins KZ Neuengamme. Strafaktionen von Wehrmacht und SS im besetzten Europa" dokumentiert auch die Verbrechen gegen die Bewohner Puttens und zeigt, wie 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges an die Geschehnisse erinnert wird. Die Angehörigen gründeten 1982 die "Stichting Oktober 44", die jährlich Gedenkveranstaltungen und Fahrten zu den Zielorten der Deportation durchführt. In diesem Jahr findet neben dem Gedenken am Jahrestag der Deportation am 2. Oktober in Putten auch das Gedenken an den 75. Jahrestag der Ankunft der Deportierten aus Putten in Neuengamme in der KZ-Gedenkstätte statt. Am Samstag, den 19. Oktober 2019 wird dazu eine Delegation aus Putten anreisen. Das Gedenken wird im Gedenkhain der KZ-Gedenkstätte Neuengamme stattfinden. Dort steht seit 1988 ein Mahnmal, welches an die 540 Opfer aus Putten erinnert.