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14.07.2026 Archivmeldung
Zu den Gedenkveranstaltungen im Mai 2026 erhielt das Archiv der KZ-Gedenkstätte Neuengamme ein ganz besonderes Geschenk. Rien Zegers, der Sohn von Marinus Zegers und Paulina de Bruin, überreichte dem Archiv im Zuge seines Besuches die noch funktionsfähige Taschenuhr und das Feuerzeug seines Vaters, zusammen mit der Urkunde und Ehrenmedaille für seine Familie zur Ernennung als „Gerechte unter den Völkern“.
Widerstand
Für die niederländische Familie Zegers war es während der NS-Zeit selbstverständlich, Widerstand gegen die deutsche Besatzung zu leisten und verfolgten Personen Hilfe anzubieten, so berichtete Rien Zegers während seines Besuchs in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme: Arie Jan Jacob Zegers fälschte Personalausweise, Lebensmittelkarten und dergleichen für untergetauchte Widerstandsmitglieder und verfolgte Juden und Jüdinnen. Seine Schwester Maria Johanna beherbergte eine jüdische Familie in ihrem Haus. Arie überredete Marinus und Paulina Zegers ebenfalls verfolgte Menschen bei ihnen im Haus Unterschlupf zu bieten. 1943 zog dann zuerst die Familie Vleeschhouwer bei Marinus und Paulina ein, später Louis Dormits, an den sich der 1939 geborene Rien Zegers noch erinnert. Insgesamt wurden von der Familie Zegers etwa 23 jüdische Untergetauchte während des Krieges beherbergt.
Haft
Bei einer Razzia am 8. August 1944 wurden zuerst Arie Jan Jacob und seine Schwester Maria Johanna zusammen mit den bei ihnen versteckten Menschen verhaftet. Arie wurde kurz darauf am 30. August 1944 im Kamp Vught erschossen.
Am 9. August 1944 wurde dann auch das Haus von Marinus und Paulina Zegers durchsucht und Marinus unter dem Vorwurf der „Begünstigung von Juden“ verhaftet. Am 14. September 1944 wurde er nach Kamp Amersfoort verlegt, von wo aus er am 11. Oktober 1944 in das KZ Neuengamme deportiert wurde. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 56385. Er verstarb nur einige Monate später am 3. Februar 1945 in der Folge der unmenschlichen Haftbedingungen. Marinus Ehefrau erfuhr im April 1945 vom Tod Ihres Mannes, wollte dies jedoch nicht wahrhaben und hoffte noch jahrelang, ihr Mann werde heimkehren.
Gedenken
Seit den 1990er Jahren besucht sein Sohn Rien Zegers regelmäßig die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, um seinem Vater und seiner Familiengeschichte zu gedenken. Ein symbolischer Grabstein für seinen Vater Marinus Zegers ist im Gedenkhain der Gedenkstätte aufgestellt. Auch dieses Jahr hat Rien dort im Mai wieder Blumen für seinen Vater ablegen können.
Die ihm verbliebenen persönlichen Besitztümer seines Vaters, eine Taschenuhr und ein graviertes Feuerzeug, hat er in Ehren gehalten und gepflegt. Nun überreichte er diese Erinnerungsstücke zur gesicherten Aufbewahrung an das Archiv der Gedenkstätte. Ein besonderes Detail an der Taschenuhr ist dessen tadellos gepflegte alte Uhrwerk. Als Rien die Uhr noch einmal aufzog, war das leise stetige Ticken der Zeiger zu hören, wie ein wieder erwachter Herzschlag aus der Vergangenheit.
Neben den persönlichen Gegenständen erhielt das Archiv aus dem Nachlass Zegers auch die Urkunde und Ehrenmedaille aus Yad Vashem, welche bestätigen, dass Marinus Zegers und seine Frau Paulina als „Gerechte unter den Völkern“ Jüdinnen und Juden versteckten und halfen. Die Gedenkzeremonie zu deren Ernennung hatte am 28. März 2022 stattgefunden.
Die Kolleg*innen im Archiv der Gedenkstätte freuen sich sehr, nun auch die Gegenstände zu der berührenden Geschichte der Familie Zegers bewahren zu dürfen.
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