20.04.2019 Archivmeldung

Besuch von Rita Vowe-Trollmann

Alyn Beßmann, Archivarin der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, erläuterte Frau Vowe-Trollmann die Dokumente, die zum Tod ihres Vaters dem Archiv vorliegen Foto: Thomas Käpernick (AG Neuengamme), 2019
Foto von Alyn Beßmann, Archivarin der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und Frau Vowe-Trollmann

Am Karfreitag hat Rita Vowe-Trollmann, die Tochter des Boxers Johann "Rukeli" Trollmann, auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme die KZ-Gedenkstätte Neuengamme besucht. Frau Vowe-Trollmann, geb. 1935, war drei Jahre alt, als sie ihren Vater zum letzten Mal sah. Sie wusste lange nichts von der Geschichte ihres Vaters und war sehr berührt davon, zum ersten Mal die Gedenkstätte zu besuchen.

Trollmann galt als eines der größten Talente im deutschen Boxsport der 1930er-Jahre. Bereits 1928 hatte der Mittelgewichtler beste Aussichten auf einen Platz im Olympiateam. Am 9. Juni 1933 gewann er den deutschen Meistertitel im Halbschwergewicht. Der Titel wurde ihm jedoch einige Tage später durch die NS-Boxsportfunktionäre aberkannt. Dies war der Beginn einer Reihe von Demütigungen, die Trollmann als Sinto aufgrund seiner Herkunft erdulden musste. So wurde er u.a. 1935 in das Berliner Arbeits- und Bewahrungshaus eingewiesen. 1938 wurde er in das Arbeitslager Hannover-Ahlem eingewiesen.

Im Juni 1942 wurde Trollmann, der zwischenzeitlich als Wehrmachtssoldat gedient hatte und an der Ostfront verwundet worden war, erneut verhaftet und in das KZ Neuengamme deportiert. Laut Eintrag im Totenbuch starb er fünf Monate nach seiner Ankunft. Nach anderen Angaben wurde Trollmann im Außenlager Wittenberge des KZ Neuengamme von einem Kapo erschlagen, der in zum Boxkampf herausgefordert und gegen ihn verloren hatte.