12.11.2021 Ausstellung

Ausstellung Luise: Archäologie eines Unrechts

Seit dem 11. November 2021 zeigt die Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte das künstlerisch-fotografische Projekt „Luise. Archäologie eines Unrechts“ des Berliner Fotografen Stefan Weger. Die Ausstellung ist noch bis zum 13. März 2022 in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme zu sehen.

Stefan Weger befasst sich in der Ausstellung mit dem Schicksal des jungen polnischen Zwangsarbeiters Walerian Wróbel – und mit der Rolle, die seine Familie bei dessen Schicksal spielte. Fałków, 1941. Der junge Pole Walerian Wróbel wird aus seiner Heimat zur Zwangsarbeit auf einen Hof bei Bremen verschleppt. Dort bleibt er nur zehn Tage, hat Sprachprobleme, bekommt Heimweh. Als die Scheune brennt, lässt die Bäuerin Luise Walerian von der Gestapo abholen. Er wird ins KZ Neuengamme gebracht. Am 25. August 1942 wird Walerian im Alter von 17 Jahren hingerichtet.

Luise war die Urgroßmutter von Stefan Weger. Die „Archäologie eines Unrechts“ nennt er sein fotografisch-künstlerisches Projekt zum Tod des jungen Zwangsarbeiters: Er suchte Familienfotos, erkundete das zugewachsene Gelände um den alten Bauernhof und trug Akten des Falles zusammen. Entstanden ist ein dichtes visuelles Portrait einer Familiengeschichte im Nationalsozialismus, das um Vergessen und Bewusstmachung sowie die eigene Verantwortung kreist.

Der Fotograf Stefan Weger studierte Politikwissenschaften, bevor er zur Fotografie kam. Das schlägt sich deutlich in den Motiven seiner Fotografien nieder. In seinen Fotografien verhandelt er meist gesellschaftspolitische Themen. Bei der Ausstellungseröffnung am 10. November 2021 berichtet Weger, dass ihm die Geschichte des polnischen Zwangsarbeiters Walerian Wróbel zum ersten Mal während seiner Schulzeit begegnete. Sie wird zu pädagogischen Zwecken im Unterricht thematisiert, um nationalsozialistisches Unrecht zu vermitteln. Als er zuhause davon berichtet, sagt seine Mutter: „Du weißt, dass das Luise war?“ Dieser Satz brennt sich ein. Jahre später macht sie Weger auf die Suche, versucht die eigene Familiengeschichte zu verstehen und aufzuarbeiten.

Die Art der Fotografie spiegelt diesen nicht immer ganz einfachen Prozess wieder. Die Bilder lösen ein subtiles Gefühl des Unwohlseins aus. Weger möchte durch sie die Unschuldigkeit des Ortes unterbrechen und hinterfragen, welche Orte gesellschaftlich als Erinnerungsorte genutzt werden und welche nicht.

Essay von Stefan Weger zu seinem Projekt: Allein zwischen Streuobst

Artikel zu Stefan Weger und der Ausstellung in der Mopo: Meine Ur-Oma hat diesen Jungen auf dem Gewissen