Porta Westfalica-Barkhausen

Zur Verlagerung besonders kriegswichtiger Produktion unter die Erde wurden in Porta-Westfalica durch den SS Führungsstab A II drei Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme eingerichtet. Das erste von ihnen war das Lager in Barkhausen. Als erstes Kommando kamen am 19. März 1944 250 Häftlinge aus dem KZ Buchenwald nach Barkhausen. Vom Bahnhof marschierten sie zum Gasthof „Kaiserhof“, der von der SS beschlagnahmt worden war. Im ehemaligen Festsaal wurden im Verlaufe der Existenz des Lagers bis zu 1300 Männer in vierstöckigen Betten auf Strohsäcken zusammengepfercht. Mehr als die Hälfte der Häftlinge stammte aus Polen und der Sowjetunion, später kamen Franzosen, Belgier und Niederländer hinzu. Auch eine Gruppe von 200 Dänen wurde nach der Räumung des Sammellagers Frøslev über das KZ Neuengamme nach Barkhausen transportiert.

Die Häftlinge mussten in Barkhausen einen Stollen ausbauen, in dem zunächst das Berliner Presswerk der Firma Ambi-Budd untergebracht wurde um Zellenteile für Jagdflugzeuge zu produzieren. Im Frühsommer 1944 begann der Bau der unterirdischen Anlagen im Jakobsberg.

Die große Luftoffensive der Alliierten gegen die deutsche Mineralölindustrie führte außerdem zur Verlagerung von Anlagen der Mineralölfirmen. Der umfangreichste Teil des Stollens sollte daraufhin unter dem Tarnnamen „Dachs I“ von der Firma Deurag-Nerag zur Errichtung einer Raffinerie genutzt werden.

Die Häftlinge mussten Stollen von 5–6 Metern Breite und einer Höhe von 4 Metern anlegen. An einigen Stellen wurden die Stollen zu großen Produktionshallen ausgebaut. Viele der unterernährten Gefangenen fanden bei diesen Arbeiten, die ohne ausreichende Schutz- und Arbeitskleidung ausgeführt werden mussten, den Tod. Im Berg wurde auf drei Ebenen gearbeitet. Zur Abstützung der Stollen dienten Betonträger aus dem Betonwerk Weber in Lerbeck, wo ein weiteres Häftlingskommando zur Arbeit eingesetzt war. Weitere beteiligte Firmen waren: Dr. Boehme & Co., Rentrop, Veltrup, Weserhütte und die Friedrich Uhde KG.

Ende März 1945 wurden etwa 200 Häftlinge aus dem Außenlager A I in Lengerich nach Barkhausen verlegt. Am 1. April wurden dann alle Männer „evakuiert“. In verschiedenen Transporten gelangten sie über die Außenlager Schandelah, Fallersleben und Helmstedt-Beendorf in das Auffanglager Wöbbelin, wo sie Mitte April eintrafen. Am 2. Mai 1945 wurden sie dort von US-amerikanischen Truppen befreit.

Wer SS-Lagerführer war, ist nicht bekannt.

Zeitraum

19. März 1944 bis 1. April 1945

Anzahl der Häftlinge

1300 Männliche Gefangene

Art der Arbeit

Ausbau eines unterirdischen Stollensystems

Auftraggeber

SS Führungsstab A II, Ambi-Budd, Dr. Boehme & Co., Firma Rentrop, Firma Veltrup, Weserhütte, Deurag-Nerag, Friedrich Uhde KG, Betonwerk Weber (Lerbeck)

Ort

Wegbeschreibung

Gedenktafel:
Straße „Kirchsiek“
Einmündung Bundesstraße
32457 Porta Westfalica

Gedenkstätte

Die Toten des Außenlagers A II wurden auf dem Friedhof in Barkhausen bestattet. In der Nachkriegszeit wurden viele von ihnen exhumiert und in ihre Heimatländer überführt. Ein Gedenkstein auf dem Friedhof trägt die Inschrift „Hier ruhen 73 unbekannte Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“. Es fehlt ein Hinweis, dass es sich dabei um ehemalige Häftlinge des KZ-Außenlagers A II handelt.

Nach dem Krieg wurde der Festsaal des „Kaiserhofes“, in dem die Häftlinge des Lagers Barkhausen untergebracht waren, zur Reithalle. Obgleich sich in den 1980er-Jahren Wissenschaftler und Schülerinitiativen für die Geschichte der Außenlager in Porta Westfalica zu interessieren begannen, brachte die Stadt Porta Westfalica erst nach langen öffentlichen Auseinandersetzungen 1992 im Stadtteil Hausberge eine Gedenktafel des Mindener Künstlers Dieter Lehmann an, die an den Einsatz von KZ-Häftlingen im Stollenbau erinnert. Den Anstoß hierfür gaben französische Überlebende des Lagers Barkhausen. Am Ort des ehemaligen Lagers ist bis heute kein Erinnerungszeichen angebracht worden.

Im Mai 2014 wurde der Gedenkpfad "Wege des Erinnerns, Mahnung gegen das Vergessen" in Porta Westfalica eröffnet. Er besteht zur Zeit aus sechs Schautafeln, die die Ereignisse in den Außenlagern an der Porta Westfalica 1944 und 1945 dokumentieren. Eine Erweiterung des Pfades ist geplant. Anhand des Gedenkpfades bietet die Gedenkstätte Führungen verschiedener Länge für interessierte Gruppen an. 

Kontakt

KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica e.V.
Kempstraße 1
32457 Porta Westfalica
 

Email: info@gedenkstaette-porta.de
Homepage: www.gedenkstaette-porta.de

Stadt Porta Westfalica
Friedhofsverwaltung
Kempstraße 1
32457 Porta Westfalica

Tel.: +49 (0) 571 – 7 91 0