Lübberstedt-Bilohe

An der Bahnstrecke Bremen–Bremerhaven lag in Höhe des Bahnhofs Lübberstedt in einem Wald auf einer Fläche von 400 Hektar eine Lufthauptmunitionsanstalt, die unter der Tarnbezeichnung „Lw. 2/XI“ geführt wurde. Seit dem 29. August 1944 bestand in Lübberstedt-Bilohe ein Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme. 500 Frauen, zumeist ungarische Jüdinnen, die zuvor im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau für dieses Außenlager ausgewählt worden waren, mussten für die Munitionsanstalt arbeiten. Sie kamen in der Produktion von Seeminen, Fliegerstreubomben und Flakmunition zum Einsatz, die an einem Fließband gefüllt, zusammengesetzt und schließlich mit Hartgummi bereiften Wagen zu den 102 Bunkern transportiert wurden. Die Frauen mussten auch Fallschirme zum Abwerfen der Minen präparieren.

Berichten Überlebender zufolge soll es im Außenlager Lübberstedt drei Lagerleiter gegeben haben. Der erste habe demnach Müller und der dritte Buchwald geheißen. Genauere Angaben können bislang nicht genannt werden.

Mit der näher rückenden Front wurde das Außenlager Lübberstedt-Bilohe geräumt. Nachdem ca. 60 kranke Frauen mit Angehörigen (10 haben überlebt) bereits Anfang April 1945 nach Bergen-Belsen transportiert worden waren, verließen die übrigen Frauen mit einem Zugtransport am 20. April 1945 das Lager. Über Cuxhaven, wo etwa 50 Frauen mit einem Frachtschiff nach Brunsbüttel transportiert wurden,  irrte der Zug durch Norddeutschland. Am 2. Mai, nachdem der Zug in Lübeck neu zusammengestellt worden war, geriet der Zug bei Eutin in Bombenangriffe der Alliierten. Bei der Explosion eines mit Munition beladenen Waggons wurden ca. 43 Frauen getötet. Auf der Weiterfahrt wurde der Zug am 3. Mai vor Plön bei Timmdorf erneut angegriffen. Auch hier starben ca. 16 Frauen. Die Überlebenden wurden am 3./4. Mai 1945 in Plön von britischen Truppen befreit und im UNRRA-Lager von Sierksdorf und Haffkrug untergebracht.

Zeitraum

29. August 1944 – 20. April 1945

Anzahl der Häftlinge

500 Weibliche Gefangene

Art der Arbeit

Munitions- und Fallschirmproduktion

Auftraggeber

Luftwaffe

Ort

Friedhof (im Ort ausgeschildert)
27729 Lübberstedt

Gedenkstätte

Der westliche Teil des ehemaligen Geländes der Munitionsanstalt wird heute als Bundeswehrdepot genutzt.

Auf dem Lübberstedter Friedhof wurden 1989 zwölf unbezeichnete Grabhügel eingeebnet und zu einer Gemeinschaftsanlage umgestaltet. Die Inschrift des Gedenksteins – „Erinnert Euch! Hier liegen Zwangsarbeiter, Männer, Frauen, Kinder“ – gibt keinen Aufschluss über das historische Geschehen. Der 1991 gegründete Arbeitskreis „MUNA-Lübberstedt“, der die Geschichte des Außenlagers erforscht und 1996 eine Dokumentation über die Geschichte der Lufthauptmunitionsanstalt veröffentlichte, setzte sich deshalb für eine Neugestaltung ein. Am 21. November 1998 wurde die neu gestaltete Grabanlage eingeweiht. Zwei weitere Steine tragen die Namen der Opfer, von denen vier Häftlinge des Außenlagers Lübberstedt-Bilohe waren.

Kontakt

Arbeitskreis „MUNA-Lübberstedt“
Hartmut Oberstech
27729 Lübberstedt Tel. +49 (0) 163 – 3 86 58 22
E-Mail: muna@vodafonemail.de
Homepage: www.muna-luebberstedt.de