02.07.2019 Nachricht

Neue Mitarbeiterin für den „Geschichtsort Stadthaus“

Christine Eckel
Portraitfoto Christine Eckel
Gebäude ehemaliges Stadthaus Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme, ÖA (2018)

Die Historikerin Dr. des. Christine Eckel begleitet ab sofort die Entwicklung und Etablierung des „Geschichtsortes Stadthaus“.

Das Stadthaus an der Stadthausbrücke in der Hamburger Neustadt, heute die „Stadthöfe“, war bis zur Zerstörung bei den Luftangriffen im Juli 1943 Sitz des Hamburger Polizeipräsidiums. In dem Gebäudekomplex waren zentrale Befehlsstellen untergebracht, darunter die der Schutzpolizei, Kriminalpolizei und der Geheimen Staatspolizei. Das Stadthaus war eine Zentrale des Terrors und der Gewalt, in der z.B. über Einweisungen in Konzentrationslager entschieden wurde. Auch der Kriegseinsatz norddeutscher Polizisten in Polen und in der Sowjetunion und deren aktive Mitwirkung am Völkermord wurden vom Stadthaus aus organisiert. Hunderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren an diesem Ort tätig. Hier wurden außerdem zahlreiche politische Gegner inhaftiert und gefoltert.

Nach Kriegsende dienten Teile des Stadthauses als Sitz für Hamburger Behörden. 2009 kaufte der private Investor Quantum das Gebäudeensemble und verpflichtete sich, in den „Stadthöfen“ einen Lernort zur Geschichte des Stadthauses einzurichten und den Betrieb sicherzustellen. 2019 wird auf einer gemeinsamen Fläche mit der Buchhandlung „Lesesaal“ und einem Literatur-Café eine Dauerausstellung in der Stadthausbrücke 6 eröffnet werden.

Die Hamburgische Bürgerschaft hatte Mittel für eine zusätzliche Stelle bei der KZ-Gedenkstätte Neuengamme bereitgestellt, um die Entwicklung des Lernortes mit zu begleiten. Als Mitarbeiterin der KZ-Gedenkstätte Neuengamme wird Christine Eckel sich mit der Wahrnehmung dieses zentralen Ortes der NS-Verfolgung in Hamburg im öffentlichen Raum beschäftigen und die Entwicklung des Geschichtsortes inhaltlich begleiten. Sie ist Ansprechpartnerin für den Austausch mit Interessengruppen, die Kooperation mit anderen Erinnerungsorten und Forschungseinrichtungen in der Stadt. Sie plant die Entwicklung pädagogischer Formate, erarbeitet Vertiefungsangebote zur Ausstellung und möchte Veranstaltungen zu Verfolgung und Widerstand organisieren. Diese Angebote laden zukünftig ein breites Publikum dazu ein, sich mit der Geschichte und Nachgeschichte des Nationalsozialismus in Hamburg auseinanderzusetzen.

Christine Eckel beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte des Nationalsozialismus und der Konzentrationslager. Neben ihrer Tätigkeit an der Helmut-Schmidt-Universität und dem Deutschen Historischen Institut in Paris war sie immer wieder für die KZ-Gedenkstätte Neuengamme tätig, u.a. als Mitarbeiterin an den von der Gedenkstätte entwickelten Sonderausstellungen „Die Freiheit lebt! Widerstand und Verfolgung in Hamburg 1933-1945“ (2010) und „Dokumentation Stadthaus. Die Hamburger Polizei im Nationalsozialismus“ (2012).