11.02.2021 Nachricht

Black History Month – Biografien Schwarzer Häftlinge des KZ Neuengamme

Der Februar ist Black History Month: Analog und digital widmen sich in diesem Monat Initiativen und Institutionen Aspekten Schwarzer Geschichte. Seit mehreren Jahren passiert das auch immer mehr auf Social-Media-Plattformen. Wir erzählen im Februar 2021 auf Twitter und Instagram Biografien Schwarzer Häftlinge des KZ Neuengamme.

Im Black History Month widmet sich die KZ-Gedenkstätte Neuengamme auf ihrem Twitter- und Instagram-Account einigen Biografien der acht namentlich bekannten Schwarzen Häftlingen des KZ Neuengamme. Sie verband, dass sie alle politische Gefangene waren, vor allem weil sie im Widerstand gegen die Nazis im deutsch besetzten Frankreich und den Niederlanden waren.

Auch wenn sie nicht in erster Linie aus rassistischen Motiven nach Neuengamme deportiert wurden, waren die Lebensbedingungen der Schwarzen Häftlinge im KZ Neuengamme und seinen Außenlagern von Rassismus und der nationalsozialistischen „Rassen“-Ideologie geprägt. Bisher gibt es keinen Nachweis für die Inhaftierung in Deutschland lebender Schwarzer Menschen im KZ Neuengamme. Bei Schwarzen Häftlingen aus Deutschland spielte Rassismus als Haftgrund vermutlich eine weitaus größere Rolle. In den meisten Fällen waren Schwarze Personen, die in Deutschland gelebt haben, offiziell aufgrund anderer Gründe wie zum Beispiel als „asozial“ oder „politisch“ in der NS-Zeit verfolgt und deshalb in KZs inhaftiert.

Viele der Schwarzen Häftlinge des KZ Neuengamme waren nicht nur im Widerstand gegen die Nationalsozialist*innen in Europa aktiv, sondern waren auch anti-koloniale Widerstandskämpfer. Weltweit bekannt ist Anton de Kom, der seit den 1920er-Jahren ein zentraler Akteur der surinamischen Unabhängigkeits-Bewegung gegen die Kolonialmacht Niederlande war. Weniger bekannt sind die Biografien von Akli Banoun aus Algerien oder Isidore Alpha aus Martinique, die sich für die Unabhängigkeit ihrer Herkunftsländer von Frankreich einsetzten und nach Kriegsbeginn dann in der französischen Résistance gegen die Deutschen aktiv waren.

Auch das Wissen über die Biografien der Schwarzen Häftlinge des KZ Neuengamme ist unterschiedlich. So existiert ein Foto aus dem KZ Neuengamme von einem Schwarzen Häftling im SS Lager, dessen Identität bis heute unbekannt ist. Und über den senegalesischen Häftling Sidi Camara sind nur seine Häftlingskartei und das, was sein Mithäftling Dominique Mendy über ihn berichtet hat, bekannt.

Die dokumentierten Erinnerungen Dominique Mendys an die Begegnungen mit Sidi Camara zeugen auch von einer Solidarität zwischen den beiden senegalesischen Häftlingen. Dominique Mendy erinnerte sich in einem Interview: "Und wenn wir uns sahen, sprachen wir über den Senegal. Wir sprachen auf Wolof. Das gefiel uns. Das tat uns gut […]. Ich erinnere mich, dass Sidi Camara mir immer wieder sagte: 'Munel! Munel! Halt stand! Früher oder später wird das hier enden. Gott ist groß! Gott ist groß!'" Sidi Camara starb Ende April/Anfang Mai 1945 im KZ Bergen-Belsen.

Die Geschichte von Schwarzen Häftlingen in Neuengamme und anderen Konzentrationslagern ist weiterhin wenig erforscht. Einen frühen Beitrag zur Aufarbeitung leistete Rosa Fava mit ihrem Artikel zu Schwarzen Inhaftierten im KZ Neuengamme im 12. Heft der „Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland“.

Seit einigen Jahren forscht auch die Mitarbeiterin der KZ Gedenkstätte Neuengamme Dr. Susann Lewerenz zu den Verflechtungen von kolonialem und rassistischem Denken und Handeln im Nationalsozialismus. Zentral sind dabei Biografien von Schwarzen Menschen und People of Color während der NS-Zeit.

Online ansehen:
Vortrag von Susann Lewerenz: Schwarze Menschen im Nationalsozialismus: Verfolgung – Selbstbehauptung – Widerstand
Ein Blick in die Ausstellung Koloniales und rassistisches Denken und Handel im Nationalsozialismus

Text: Antonia Wegener

Schlagworte: Social Media (12)