01.11.2017 Archivmeldung

Bemerkenswerte Aufzeichnungen eines Geiselhäftlings übergeben

Roland Roumilhac Quelle: Privatbesitz
Roland Roumilhac im Porträt
Der Taschenkalender von Roland Roumilhac mit einem Eintrag vom 20. Februar 1945. Quelle: Privatbesitz
Taschenkalender von Roland Roumilhac
Eine Seite aus dem Notizbuch von Roland Roumilhac mit einem Gedicht seines Mithäftlings Felix Lazare Bertrand über die Trauerweide auf dem Gelände des KZ Neuengamme, die unweit des Sonderlagers der Franzosen stand. Quelle: Privatbesitz
Notizbuch: Gedicht über Trauerweide
Roland Roumilhac vor einem Lastwagen in Marennes, 1930er oder 1940er Jahre. Quelle: Privatbesitz
Roland Roumilhac vor einem Lastwagen
Präsentation der mitgebrachten Dokumente im Archiv der KZ-Gedenkstätte Neuengamme Quelle: KZ-Gedenkstätte Neuengamme (ÖA), 2017
Gruppenbild: Familie Roumilhac im Archiv

Am 27. Oktober 2017 wäre der 1909 geborene KZ-Überlebende Roland Roumilhac 108 Jahre alt geworden. Sein Sohn Jean-Claude Roumilhac nahm dies zum Anlass an diesem besonderen Tag gemeinsam mit seiner Frau und ihren drei Kindern erstmals die KZ-Gedenkstätte Neuengamme zu besuchen. Mit im Gepäck hatten sie ganz erstaunliche Dokumente.

Roland Roumilhac gehörte zu einer Gruppe französischer Häftlinge, die im Juli 1944 als Geiseln in das KZ Neuengamme gebracht worden war. Viele dieser Sonderhäftlinge zählten zur französischen Prominenz, unter ihnen waren ehemalige Minister, Senatoren, Präfekten und Bürgermeister. Roland Roumilhac jedoch war ein gewöhnlicher Handwerker, der aus der Gemeinde Marennes stammte und in Paris arbeitete. Warum er als Geiselhäftling ausgewählt worden war, ist der Familie bis heute ein Rätsel. 

Die Gruppe war in einem Sonderbereich des KZ Neuengamme untergebracht. Da die Sonderhäftlinge nicht arbeiten mussten, nutzen viele die Zeit, um sich gegenseitig fortzubilden, manche fertigten heimlich Aufzeichnungen an. Auch Roland Roumilhac scheint dies gelungen zu sein. Die Familie besitzt einen Taschenkalender und ein weiteres kleines Heft mit seinen Notizen aus der Haft. Einige der Einträge stammen offenbar aus dem KZ Neuengamme. Dies wird nun weiter erforscht. Die Familie übergab zwei CDs mit Scans der Dokumente von Roland Roumilhac an das Archiv der KZ Gedenkstätte Neuengamme.

Im mitgebrachten Album der Familie fanden sich noch eine Vielzahl weiterer bedeutsamer Dokumente, darunter eine Botschaft über seine Deportation ins Deutsche Reich, die Roland Roumilhac auf dem Transport nach Neuengamme aus dem Zug geworfen hatte und die der Finder mit einem anonymen Anschreiben an seine Verlobte geschickt hatte, unterzeichnet mit „ein wahrer Franzose“.

Roland Roumilhac überlebte die Haft und kehrte am 19. Mai 1945 nach Frankreich zurück. Bei seiner Heimkehr war er 36 Jahre alt und wog nur noch 35 Kilogramm. Er starb 1981.