Krematorium. Foto: Louis Schnakenburg, 1945. (MDF 11166)

Sterben

Tod im Stacheldrahtzaun. Zeichnung von Wladimir Petrow, undatiert (nach 1969). (ANg)

Die Häftlinge waren täglich mit dem Tod kon­frontiert. Sie sahen, wie ihre Kameraden starben, und lebten ständig in der Angst, selbst umzu­kom­men. KZ-Häftlinge wur­den im KZ Neuen­gam­me erschlagen, ertränkt, erhängt, erschos­sen oder durch Giftgas getötet. Sie verhun­gerten oder gingen zugrunde, weil Bekleidung, Unter­brin­gung und Hygiene un­genügend waren. Sie starben infolge fehlen­der Medika­mente und unterlassener ärztlicher Hilfe, an körperlicher Überanstrengung bei der Arbeit oder an Miss­handlungen.

1942 führte die SS im Lager öffentliche Erhängungen als Strafe und zur Abschreckung ein. Auch Polizei und Justiz nutzten das KZ als Hinrichtungsstätte. Die Toten wurden, nachdem ihnen das Zahngold entnommen worden war, in der Regel verbrannt. Anfangs geschah dies im städtischen Krematorium auf dem Ohlsdorfer Friedhof, ab 1942 hatte das KZ Neuengamme ein eigenes Krematorium. Verwandte der Verstorbenen konnten gegen eine Gebühr eine Urne erhalten, die angeblich die Asche der Toten enthielt.

„Im Klinkerwerk wurde mein Kamerad […] so geschlagen, dass man nach dem Ausziehen des Hemdes schwarze Streifen auf dem Körper sehen konnte. Am nächsten Morgen ging ich mit ihm in der Kolonne zur Arbeit, er verabschiedete sich von mir, sagte, ich solle seiner Mutter einen Gruß überbringen, falls ich überleben sollte. Dann macht er zwei Schritte aus der Gruppe heraus. Es krachte ein Schuss […] mein Landsmann fiel nieder auf den Weg.“

Anatoli Nikitisch Korschikow aus der Sowjetunion war von August 1942 bis 1944 im KZ Neuengamme inhaftiert. (Brief 1986, Ang)