Blick vom Wachturm auf das ehemalige Lagergelände des KZ Neuengamme mit den Unterkunftsbaracken, dem Appellplatz und dem Krematorium mit dem hohen Schornstein. Foto: 25. Belgisches Bataillon de Fusiliers in Neuengamme,1945. (ANg 2004-795)

Zeittafel

Konzentrationslager

3. September 1938
Die SS kauft eine Ziegelei
Die SS kauft unter dem Namen ihrer Tarnfirma „Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH“ eine stillgelegte Ziegelei und über 500.000 qm Grund in Neuengamme, einem Stadtteil im Südosten von Hamburg.
Ausstellungsbereich Wirtschaftliche Interessen der SS (Mediathek)

12./13 Dezember 1938
Errichtung des Lagers
Die SS bringt 100 Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen nach Neuengamme, um in einer stillgelegten Ziegelei ein Außenlager einzurichten.
Ausstellungstafel: Das Lager Neuengamme als Außenlager (Offenes Archiv) 

Januar 1940
Heinrich Himmler besichtigt Neuengamme
Der Reichsführer SS, Heinrich Himmler, besichtigt Neuengamme und beschließt den Ausbau des Lagers.
Bericht: Himmler besichtigt das Klinkerwerk Neuengamme (Offenes Archiv)

Februar 1940
Walter Eisfeld wird Kommandant
Mit dem Dienstantritt des neuen Kommandoführers, SS-Sturmbannführer Walter Eisfeld, wird der Lageraufbau unter mörderischen Bedingungen vorangetrieben.
Biografie von Walter Eisfeld (Offenes Archiv) 

Februar bis Juni 1940
Ankunft neuer Häftlinge
In mehreren Transporten treffen ca. 1.000 weitere Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen in Neuengamme ein.

13. April 1940
Vertrag zwischen Hamburg und der SS
Abschluss eines Vertrages zwischen der SS und der Hansestadt Hamburg über den Aufbau eines neuen Groß-Klinkerwerks.
Ausstellungsbereich: Das "neue Hamburg". Pläne zur Umgestaltung des Elbufers (Mediathek) 

15. April 1940
Martin Weiß wird Kommandant
SS-Hauptsturmführer Martin Weiß wird nach dem überraschenden Tod von Kommandant Eisfeld neuer Kommandant des KZ Neuengamme.
Biografie von Martin Weiß (Offenes Archiv)

4. Juni 1940
Häftlingslager errichtet
Verlegung der Häftlinge in die Baracken des neu errichteten Häftlingslagers. Sie erhalten neue Nummern. In einem Fernschreiben des Reichssicherheitshauptamtes wird das KZ Neuengamme erstmals als eigenständiges Konzentrationslager erwähnt.
Ausstellungstext: Errichtung des Lagers (Offenes Archiv)

Jahresende 1940
Belegungszahlen
Das Lager ist mit ca. 2.900 Häftlingen belegt. Die Zahl der namentlich nachgewiesenen Toten beträgt 432.
Häftlingsdiagramm (Offenes Archiv)

April 1941
Jugendliche aus Polen kommen nach Neuengamme
Ankunft eines Transports mit 1.002 Häftlingen aus dem KZ Auschwitz, darunter viele Jugendliche. Die Polen bilden nun die größte nationale Gruppe im Lager.
Ausstellungstext: Häftlinge aus Polen (Offenes Archiv)
Ausstellungsbereich: Häftlinge aus Polen (Mediathek)

bis ca. Sept. 1941
Fertigstellung des Häftlingslagers

16. Oktober 1941
Kriegsgefangene werden in das KZ eingeliefert
Ankunft von 1.000 sowjetischen Kriegsgefangenen aus dem Stalag X D (Wietzendorf), die in einem abgegrenzten Lagerteil untergebracht werden.
Ausstellungstext: Sowjetische Kriegsgefangene (Offenes Archiv)

28. Dez.1941- März 1942
Typhusepidemie
Die SS stellt das Lager aufgrund einer Typhusepidemie unter Quarantäne.

Ende 1941
Belegungsstatistik
Das Lager ist mit ca. 4.500 Häftlingen belegt. Im Jahr 1941 beträgt die Zahl der namentlich nachgewiesenen Toten 495.
Häftlingsdiagramm (Offenes Archiv)

Januar 1942
Tötung entkräfteter Häftlinge
Erstmals Tötung entkräfteter Häftlinge durch Injektionen.
Umgang mit Entkräftigten (Offenes Archiv)

April/Mai 1942
Einrichtung von Rüstungsbetrieben
Einrichtung von Rüstungswerkstätten der Firmen Messap und Jastram im KZ Neuengamme.
"Kommando Messap und Jastram" (Offenes Archiv)

ab Frühjahr 1942
Einlieferung sowjetischer Häftlinge
Einlieferung sowjetischer Zwangsarbeiter in schnell steigender Zahl. Sie bilden schon bald die größte nationale Gruppe in Neuengamme.
Häftlinge aus der Sowjetunion (Offenes Archiv)

Mai 1942
Inbetriebnahme mobiles Krematorium
Inbetriebnahme eines lagereigenen Krematoriums.
Krematorium, Verwendung der Asche und Nachlass der Häftlinge (Offenes Archiv)

Ende Juni
Abtransport der sowjetischen Kriegsgefangenen
Von 1.000 sowjetischen Kriegsgefangenen in für sie abgezäunten Baracken leben nur noch 348. Sie werden ins KZ Sachsenhausen verlegt.
Ausstellungstext: Sowjetische Kriegsgefangene im "Kriegsgefangenen-Arbeitslager" (Offenes Archiv)

Juni/Juli 1942
Aktion 14f13: Abtransport zur Vergasung
Abtransport von 220 geschwächten Häftlingen in die „Landes-Heil- und Pflegeanstalt“ Bernburg. Dort werden sie nach ihrer Ankunft mit Giftgas ermordet.
Sonderbehandlung 14f13 - Transport nach Bernburg (Offenes Archiv)

15. Juli 1942
Inbetriebnahme Klinkerwerk
Inbetriebnahme des neuen Klinkerwerks (westliche Hälfte).
Ausstellungsbereich: Kommando Klinkerwerk (Mediathek)

28. August 1942
Erstes Außenlager in Wittenberge
150 Häftlinge werden zu den Phrix-Werken nach Wittenberge geschickt: Gründung des ersten Außenlagers des KZ Neuengamme bei einem Industriebetrieb.
Themenmappe zum Außenlager Wittenberge (Offenes Archiv)

1. September 1942
Neuer Kommandant Max Pauly
SS-Sturmbannführer Max Pauly wird als Nachfolger von Martin Weiß Kommandant des KZ Neuengamme.
Biografie von Max Pauly (Offenes Archiv) 

September 1942
Jüdische Häftlinge kommen nach Auschwitz
Abtransport aller jüdischen Häftlinge in das KZ Auschwitz.
Deutsche jüdische Häftlinge im KZ Neuengamme (Offenes Archiv)
Jüdische Häftlinge aus den besetzten Gebieten im KZ Neuengamme (Offenes Archiv)

25. September 1942
Vergasungsaktion im Arrestbunker
Ermordung von 197 sowjetischen Kriegsgefangenen im Arrestbunker mit Zyklon B.

13. Oktober 1942
Gründung Außenlager Drütte
Gründung eines Außenlagers bei den Reichswerken Hermann Göring in Drütte (Salzgitter-Watenstedt).
Themenmappe zum Außenlager Salzgitter-Watenstedt (Offenes Archiv)

Mitte Oktober 1942
Häftlinge kommen nach Bremen und Osnabrück
1.000 Häftlinge werden als „2. SS-Baubrigade“ nach Bremen und Osnabrück (später zeitweise Wilhelmshaven, ab August 1943 Hamburg) geschickt, um in zerstörten Stadtvierteln Bomben zu entschärfen, Leichen zu bergen und Trümmer zu beseitigen.
Themenmappe zur "2. SS-Baubrigade" (Offenes Archiv)

November 1942
Zweite Vergasungsaktion im Arrestbunker
Vergasung von weiteren 251 sowjetischen Kriegsgefangenen im Arrestbunker.

Ende 1942
Todesrate: 10%
Die Todesrate steigt auf 10 % pro Monat. Im Jahr 1942 beträgt die Zahl der namentlich nachgewiesenen Toten insgesamt 3.083.
Häftlingsdiagramm (Offenes Archiv)

Anfang 1943
Beginn Gewehrproduktion in den „Walther-Werken“
Beginn einer provisorischen Fertigung von Gewehrteilen für die Firma Walther in den beim Lager errichteten „Metallwerken“ und von Schlosser- und Tischlerarbeiten in den „Deutschen Ausrüstungswerken“.
Ausstellungstext: Die Arbeitsbedingungen in den "Walther-Werken" (Offenes Archiv)

Frühjahr 1943
Fertigstellung des Stichkanals
Fertigstellung des Schiffswegs zum Klinkerwerk (Stichkanal von der Dove Elbe bis zum Klinkerwerk des Konzentrationslagers). Bau eines Eisenbahnanschlussgleises ins Lager.
Das "Kommando Elbe" (Offenes Archiv)

Ende Juli 1943
Häftlingseinsatz bei Bombenräumkommandos
Einsatz von KZ-Häftlingen bei Aufräumungsarbeiten in Hamburg.
Die Außenkommandos (Offenes Archiv)

März 1943
Außenlager auf der Kanalinsel Alderney
Unterstellung der I. SS-Baubrigade, die auf der besetzten britischen Kanalinsel Alderney zum Bau von Befestigungsanlagen eingesetzt ist, unter die Neuengammer Lagerverwaltung.
Themenmappe zum Außenlager Alderney (Offenes Archiv)

Mitte 1943
Häftlingsanzahl 1943
Die Zahl der Häftlinge beträgt ca. 9.500, von denen sich ca. 5.800 im Hauptlager und 3.700 in den Außenlagern befinden.
Häftlingsdiagramm (Offenes Archiv)

17. Juli 1943
Außenlager Hannover-Stöcken
Einrichtung eines Außenlagers in der Accumulatorenfabrik Hannover-Stöcken im Oktober 1943.
Themenmappe zum Außenlager Hannover-Stöcken (Offenes Archiv)

17. Juli 1943
Häftlingsarbeit beim Bau des U-Boot-Bunkers „Valentin“
Beginn des Häftlingseinsatzes beim Bau des U-Boot-Bunkers „Valentin“ in Bremen-Farge.
Themenmappe zum Außenlager in Bremen-Farge "U-Boot Bunker Valentin" (Offenes Archiv)

Ende 1943
Totenanzahl 1943
Im Jahr 1943 beträgt die Zahl der namentlich nachgewiesenen Toten 3.991.
Häftlingsdiagramm (Offenes Archiv)

Ab Frühjahr 1944
Neue Außenlager in Norddeutschland
In ganz Norddeutschland werden ca. 60 neue Außenlager eingerichtet, die u. a. der Trümmerbeseitigung nach Bombenangriffen und dem Bau von Produktionsstätten, Behelfsheimsiedlungen und „Panzergräben“ dienten.
Ausstellungsbereich: Die Außenlager (Mediathek)

Juli 1944
Jüdische Häftlinge kommen nach Neuengamme
Mehr als 10.000 jüdische Häftlinge werden aus dem KZ Auschwitz und teilweise aus Ungarn zum Einsatz in der Rüstungsindustrie nach Neuengamme und in die Außenlager gebracht.
Häftlinge aus Ungarn (Offenes Archiv)

Ende Juli 1944
Einrichtung „Prominentenlager“
Einrichtung eines „Prominentenlagers“ für französische „Sonderhäftlinge“.
Evakuierung der französischen "Prominenten" (Offenes Archiv)

Herbst 1944
Bau Krematorium
Baubeginn eines größeren Krematoriums.
Krematorium, Verwendung der Asche und Nachlass der Häftlinge (Offenes Archiv)

14. Oktober 1944
Geiseln aus Putten
589 Männer aus Putten/Niederlanden kommen als Vergeltungsaktion im KZ Neuengamme an. 49 von ihnen überleben das Lager.
Ausstellungstext Geiseln aus Putten (Offenes Archiv)

Ende 1944
Häftlingsanzahl 1944
Die Zahl der Häftlinge beträgt annähernd 49.000, von denen sich ca. 12.000 im Hauptlager und 37.000 in den Außenlagern befinden, darunter fast 10.000 Frauen. Im Jahr 1944 beträgt die Zahl der namentlich nachgewiesenen Toten 5.692.
Häftlingsdiagramm (Offenes Archiv)

29. März 1945
Statistische Meldung des Standortarztes
Nach dem Bericht des Standtortarztes starben im ersten Quartal 6.224 Gefangene, die durchschnittliche Belegstärke betrug 40.393 Männer und 11.768 Frauen. Nur ca. 12.000 Häftlinge befanden sich im Hauptlager, alle übrigen in Außenlagern. Die Zahl der bewachenden Waffen-SS-Angehörigen beträgt 2.211 (einschließlich Außenlager)
Geschwächte Häftlinge (Offenes Archiv)

15. März 1945
Verlegung skandinavischer Häftlinge nach Neuengamme
Beginn der Verlegung von skandinavischen Gefangenen aus ganz Deutschland in das KZ Neuengamme.
Rettung von Häftlingen nach Dänemark und Schweden (Offenes Archiv)

24. März 1945
Beginn Räumung der Außenlager
Beginn der Räumung der Außenlager. Über 20.000 Häftlinge werden in die Auffanglager Bergen-Belsen, Sandbostel und Wöbbelin gebracht, wo in den letzten Kriegstagen viele tausend Menschen verhungern.
Ausstellungsbereich "Das Ende" (Mediathek)

27. März 1945
Einrichtung des Skandinavienlagers
Einrichtung des „Skandinavierlagers“. Um dafür im Lager Platz zu schaffen, werden Ende März/Anfang April über 4.000 entkräftete Häftlinge aus Neuengamme in die Außenlager nach Hannover und Salzgitter abgeschoben.
Das Skandinavierlager im KZ Neuengamme (Offenes Archiv)

April 1945
100.000 Häftlinge registriert
Die Zahl der im KZ Neuengamme registrierten Häftlinge steigt auf über 87.000 bei den Männern und über 13.000 bei den Frauen.
Häftlinge im KZ Neuengamme und den Außenlagern (Offenes Archiv)

8. April 1945
Bombardierung eines Häftlingstransports in Celle
Bombardierung eines Zuges mit Häftlingen aus dem Außenlager in Salzgitter in Celle mit anschließenden Massakern. Insgesamt sterben über 2.000 Häftlinge.
Themenmappe: Menschenjagd in Celle (Offenes Archiv)

9. April 1945
Rückführung skandinavischer kranker Häftlinge
Beginn der Rückführung von kranken skandinavischen Häftlingen nach Schweden.
Ausstellungsbereich: Rettung mit Hilfe der "Weißen Busse" (Mediathek)

13. April 1945
Massaker von Gardelegen
Verbrennung von 1.016 Häftlingen (zumeist aus dem KZ Mittelbau, aber auch aus Außenlagern des KZ Neuengamme) in einer Feldscheune bei Gardelegen.

14. April 1945
Befreiung Frauenaußenlager Salzwedel
In Salzwedel werden 3.000 Frauen in dem einzigen nicht geräumten Außenlager des KZ Neuengamme durch Angehörige der 9. US-Armee befreit.
Die Befreiung des Außenlagers Salzwedel (Offenes Archiv)

15. April 1945
Material wird weggeschafft
Abtransport von wertvollen Gütern und Lebensmitteln in die Heimatorte des KZ-Kommandanten und des SS-Küchenchefs
Die letzten Wochen im KZ Neuengamme (Offenes Archiv)

19. April 1945
Anordnung zur Räumung des Hauptlagers
Gezielt ließ die SS durch ein Häftlingskommando die Spuren der Verbrechen verwischen. Akten wurden verbrannt, Baracken von Stroh und Unrat gereinigt und Prügelbock und Galgen beseitigt.
Ausstellungstafel: Die Räumung des Hauptlagers (Offenes Archiv)

20. April 1945
Rettungsaktion „Weiße Busse“
Rettung von 4.000 skandinavischen Häftlingen mit Hilfe der „Weißen Busse“ des Dänischen und des Schwedischen Roten Kreuzes.
Transporte im Rahmen der "Aktion Weiße Busse" (Offenes Archiv)

20. April 1945
Ermordung von 20 jüdischen Kindern
Abtransport von 20 jüdischen Kindern, die in Neuengamme zu medizinischen Versuchen missbraucht wurden, und weiteren Häftlingen zur Ermordung im ehemaligen Schulgebäude Bullenhuser Damm in Hamburg-Rothenburgsort.
Ausstellung in der Gedenkstätte Bullenhuser Damm (Offenes Archiv)

20.-26. April 1945
Transport der Häftlinge auf Schiffe
Über 9.000 Häftlinge werden aus dem Hauptlager Neuengamme zum Lübecker Hafen transportiert, wo sie auf Schiffe verladen werden.
In den Laderäumen der Cap Arcona (Offenes Archiv)

29. April/30. April 1945
Aufräumen des Lagers
Abmarsch der letzten 600-700 Häftlinge, die schriftliche Zeugnisse des Konzentrationslagers verbrennen und das Lager aufräumen mussten. 368 Häftlinge werden zwangsweise zur SS-Sonderformation Dirlewanger eingezogen.
Ausstellungstafel: Die letzten Tage in Neuengamme (Offenes Archiv) 
SS-Sonderformation Dirlewanger (Offenes Archiv)

2. Mai 1945
Das KZ ist geräumt
SS-Männer verlassen mit den letzten Häftlingen das KZ Neuengamme. Britische Soldaten eines Vorauskommandos, die am Abend das Lager erreichen, melden nach einer ersten Erkundung, dass das Lager „leer“ sei.
Ausstellungstafel: Ankunft der Britischen Armee (Offenes Archiv)

3. Mai 1945
Bombardierung der Häftlingsschiffe
Bombardierung der „Cap Arcona“ und der „Thielbek“ in der Lübecker Bucht vor Neustadt mit ca. 7.100 Opfern, darunter sind 6.600 Häftlinge. Kapitulation in Hamburg.
Cap Arcona - Der Angriff (Offenes Archiv)

10. Mai 1945
Befreiung der letzten Häftlinge in Flensburg.

Internierungslager / Nachkriegsgeschichte

9. Mai 1945
Einrichtung DP-Camp und Kriegsgefangenenlager
Das Lager wird als „Russian DP Camp“ für ehemalige sowjetische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus dem Hamburger Raum genutzt. Gleichzeitig werden in andere Teile des Lagers deutsche Kriegsgefangene eingewiesen.
Ausstellungstafel: Folgen der Zwangsarbeit (Offenes Archiv)  

22. Mai 1945
Verlegung DP-Camp
Beginn der Verlegung der im ehemaligen Lager untergebrachten DPs („Displaced Persons“) in andere Lager. 

27. Mai 1945
Ankunft gefangener SS-Angehörige
Ankunft von mehr als 8000 gefangenen SS-Angehörigen aus dem Gebiet der 9. US Armee im Internierungslager Neuengamme.
Die Ankunft einer britischen Militäreinheit (Offenes Archiv)

5. Juni 1945
Einrichtung Internierungslager
„Special interrogation teams” beginnen mit der Untersuchung und Aufteilung der internierten NS-Funktionäre und SS-Angehörigen. Als „harmlos“ eingestufte Mitglieder der Waffen-SS werden in andere Lager verlegt, ausländische SS-Angehörige nach Möglichkeit in ihre Länder zurückgeführt. Das als Übergangslösung gedachte Lager entwickelt sich zu einer Dauereinrichtung. Die britische Militärregierung nutzt das ehemalige KZ gemäß den Beschlüssen der Potsdamer Konferenz als Internierungslager („automatic arrest“), in das zunehmend zivile Funktionsträger des NS-Staates, mutmaßliche Kriegsverbrecher und aus Sicherheitsgründen Verhaftete vor allem aus Hamburg und Schleswig-Holstein eingewiesen werden.
Die britischen Ermittlungen (Offenes Archiv)

11. Juli 1945
Internierungslager von Belgiern bewacht
Übergabe der Bewachung des Internierungslagers an das 25. Belgische Füsilierbataillon.

September 1945
Zusammenschluss überlebender KZ-Häftlinge
In Frankreich und Belgien schließen die Überlebenden des KZ Neuengamme sich zusammen. Erste Ausgabe des Bulletins der französischen Lagergemeinschaft, der "Amicale de Neuengamme".
Die französische Amicale (Offenes Archiv) 
Ausstellungsbereich: Verfolgtenverbände (Mediathek)

3. November 1945
Civil Internment Camp in britischer Hand
Die Verantwortung für das „Civil Internment Camp No. 6“, liegt wieder allein in britischer Hand: Nach und nach wird es für die Unterbringung der unterschiedlichen Haftgruppen in verschiedene Lagerbereiche unterteilt.
Ausstellungsbereich: Das Internierungslager (Mediathek)

18. März bis 3. Mai 1946
Curio-Haus-Prozess
Curio-Haus-Prozess gegen den Führungsstab des KZ Neuengamme; von 14 Angeklagten werden elf zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Ausstellungsbereich: Verbrechen im KZ Neuengamme vor Gericht (Mediathek)

Herbst 1946
Einrichtung Transitcamp
Erweiterung des Internierungslagers um ein „Transitcamp“, in das aus dem Ausland in die britische Zone ausgewiesene Deutsche mit ihren Familien zur Überprüfung einquartiert werden.
Das Transitcamp (Offenes Archiv)

1946/47
Abbruch Krematorium
Zum Jahreswechsel Abbruch des Krematoriums.
Das Krematorium und der Schuhberg - Wahrnehmung und Erinnerung (Offenes Archiv)

Februar 1948
Übergabe Klinkerwerk an Hamburg
Im Zuge der schrittweisen Auflösung des Internierungslagers übergibt die britische Militäradministration das Klinkerwerk an die Hamburger Stadtverwaltung. Ein Vorauskommando von 40 Strafgefangenen und acht Justizbeamten bezieht das Klinkerwerk.

6. Juni 1948
Gründung „Lagergemeinschaft Neuengamme“
Gründung der Lagergemeinschaft Neuengamme als Interessenvertretung der deutschen Überlebenden des KZ Neuengamme.
Ausstellungsbereich: Häftlingsverbände in Deutschland (Mediathek)

13. August 1948
Schließung Internierungslager
Schließung des Internierungslagers durch die britische Militäradministration; anschließend Übernahme des Geländes und der KZ-Gebäude durch die Hamburger Gefängnisbehörde.

Gefängnis / Erinnerung

6. September 1948
Gefängniseröffnung
Eröffnung des Gefängnisses im ehemaligen Häftlingslager des Konzentrationslagers (späterer Name: Justizvollzugsanstalt Vierlande, JVA XII)
Themenmappe zur Entstehung des Männergefängnis Neuengamme (Offenes Archiv)

Frühjahr 1949
Abriss Holzbaracken
Abriss der Holzbaracken im ehemaligen Häftlingslager.

14. Juli 1949
Grundsteinlegung Gefängnisneubau
Grundsteinlegung für den Neubau eines Zellentraktes im Gefängnis.
Ausstellungstafel Justizvollzugsanstalt XII (Offenes Archiv)

Mitte 1949
Vermietung Klinkerwerk
Vermietung des Klinkerwerks an einen Pächter, der dort die Produktion von Leichtbauplatten aufnimmt.
Bildersammlung Verfall und kommerzielle Nutzung des Klinkerwerks (Offenes Archiv) 

10. Dezember 1950
Einzug von Gefangenen
Bezug des neuen Zellentraktes.

1951
Sprengung Wachtürme
Sprengung der meisten Wachttürme.

18. Oktober 1953
Errichtung Gedenksäule
Auf Verlangen französischer KZ-Überlebender wird eine Gedenksäule mit der Inschrift „Den Opfern 1938-1945“ im Bereich der am Rande des KZ-Geländes gelegenen ehemaligen Lagergärtnerei errichtet. Da die SS hier die Asche der im Krematorium verbrannten Leichen verstreuen ließ, wird diesem Ort Friedhofscharakter zugesprochen.
Themenmappe zur Geschichte des ersten Denkmals (Offenes Archiv)

17. Mai 1958
Zusammenschluss zur „Amicale Internationale“
Zusammenschluss der nationalen Verbände der ehemaligen KZ-Häftlinge zur „Amicale Internationale KZ Neuengamme“; der Verband fordert fortan von den Hamburger Behörden die Einrichtung einer würdigen Gedenkstätte. Die deutsche Lagergemeinschaft nennt sich jetzt „Arbeitsgemeinschaft Neuengamme“.
Themenmappe zur Amicale Internationale KZ Neuengamme (Offenes Archiv)

7. November 1965
Einweihung Mahnmal
Einweihung des Mahnmals mit Stele, Gedenkmauer mit Nationentafeln und Skulptur „Der sterbende Häftling“. Die Flächen der ehemaligen Lagergärtnerei werden als Park angelegt; der Zugang zum früheren Lagergelände bleibt der Öffentlichkeit jedoch weiterhin versperrt.
Themenmappe zur Einweihung des Internationalen Mahnmals (Offenes Archiv) 
Reden zur Eröffnung des neuen Mahnmals (Offenes Archiv) 

15. Januar 1970
Eröffnung eines zweiten Gefängnisses
Eröffnung derr zweiten Justizvollzugsanstalt auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers. Der Neuau steht auf dem Gebiet der ehemaligen Tongruben zwischen Klinkerwerk und dem einstigen SS-Lager. Das neue Gefängnis wird bis Mitte der 1980er Jahre als Jugendgefängnis, anschließend als geschlossene Anstalt im Erwachsenenvollzug genutzt (JVA IX).
Themenmappe zur Geschichte der JVA IX (Offenes Archiv) 

18. Oktober 1981
Eröffnung Dokumentenhaus
Eröffnung eines Dokumentenhauses mit der ständigen Ausstellung „Arbeit und Vernichtung“ zur Geschichte des KZ Neuengamme; Beginn einer regelmäßigen Besucherbetreuung (jährliche Besucherzahl zwischen 35.000 und 55.000). Die KZ‑Gedenkstätte Neuengamme wird als Außenstelle dem Museum für Hamburgische Geschichte zugeordnet.

Juli 1982
Erstes internationales Jugendworkcamp
Anlage eines Rundweges um das frühere KZ-Gelände durch das 1. Internationale Jugendworkcamp. Auch in den folgenden Jahren halfen Jugendworkcamps bei der Freilegung von Spuren und der zunehmenden Erschließung des Geländes.
Themenmappe zur Gedenkstätte als Ort gesellschaftlicher Auseinandersetzungen (Offenes Archiv) 

14. Februar 1984
Denkmalschutzstellung
Nach Protesten gegen den erwogenen Abriss stellt die Freie und Hansestadt Hamburg das vom Verfall bedrohte Klinkerwerk sowie Teile des ehemaligen KZ-Geländes unter Denkmalschutz.

23. November 1986
Benennung „Jean-Dolidier-Weg“
Umbenennung eines Teils des Neuengamme Heerweges in "Jean-Dolidier-Weg" nach Jean-Aimé Dolidier, dem Präsidenten des Häftlingsverbandes „Amicale Internationale de Neuengamme“.

1988
Proteste
Internationale Proteste gegen die beabsichtigte Bebauung des ehemaligen Appellplatzes mit weiteren Gefängnisbauten.
Ausstellungstafel zu den Protesten gegen die Justizvollzugsanstalten (Offenes Archiv) 

17. Juli 1989
Beschluss der Gefängnisverlagerung
Der Hamburger Senat beschließt, die Justizvollzugsanstalt Vierlande bis Mitte der 1990er Jahre vom ehemaligen KZ-Gelände zu verlagern. Bis 1997 wird der für die Gefängnisverlagerung erforderliche Bau eines „Ersatzgefängnisses“ mehrfach verschoben. Erst im August 2000 ist Baubeginn des neuen Gefängnisses in Hamburg-Billwerder.

1990
Start Oral History Projekt
Erstmals werden Mittel in beträchtlicher Größenordnung für die weitere Erforschung der Geschichte des KZ Neuengamme zur Verfügung gestellt. Im Rahmen eines dreijährigen „Oral History-Projekt“ werden ab 1991 lebensgeschichtliche Interviews mit ehemaligen Häftlingen in insgesamt 14 europäischen Ländern sowie in Israel und den USA geführt.
Überlebensgeschichten (Offenes Archiv) 

1994
Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland
Beginn des jährlichen Erscheinens der von der KZ‑Gedenkstätte Neuengamme herausgegebenen „Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland“.

27. April 1994
Wissenschaftliche Erarbeitung Totenbuch
Die Bürgerschaft bewilligt Sondermittel für die EDV-Erfassung aller verfügbaren Häftlingsdaten zum Zwecke der sozialstatistischen Auswertung und der Erstellung eines wissenschaftlich abgesicherten Totenbuches.
Totenbuch

August 1994
Geländegestaltung
Auf dem Gelände des ehemaligen Lagerbahnhofs wird die Gleis-Trasse rekonstruiert und ein historischer Güterwaggon aufgestellt.

4. Mai 1995
Neue Dauerausstellung
Anlässlich des 50. Jahrestages der Befreiung werden das „Haus des Gedenkens“ und in den ehemaligen Walther-Werken die neue Dauerausstellung „Über-Lebens-Kämpfe – Häftlinge unter der SS-Herrschaft“ eröffnet.

1. Juni 1997
Ausstellung im Klinkerwerk
Eröffnung einer Dauerausstellung im Klinkerwerk über die Arbeitsbedingungen der KZ-Häftlinge in der Ziegelproduktion.
Ausstellung: Arbeit und Vernichtung. KZ-Zwangsarbeit in der Ziegelproduktion (Mediathek)

1. Januar 1999
Gedenkstätte wird selbständige Einrichtung
Die KZ‑Gedenkstätte Neuengamme wird aus dem Museum für Hamburgische Geschichte ausgegliedert und als selbständige Einrichtung direkt der Hamburger Kulturbehörde unterstellt.

27. Juli 1999
Neue Gedenkstättenkonzeption des Bundes
Vorlage einer neuen Gedenkstättenkonzeption durch die Bundesregierung, die erstmals auch KZ‑Gedenkstätten in den alten Bundesländern berücksichtigt und die sich für Bergen-Belsen, Dachau und Neuengamme für eine auf Dauer angelegte Förderung ausspricht.

1. Oktober 2000
Übergabe Kommandantenhaus
Die Justizbehörde übergibt das bislang als Dienstwohnung genutzte ehemalige Kommandantenhaus an die Gedenkstätte. Das Gebäude wird anschließend restauriert.

5. September 2001
Bürgerschaftsbeschluss zur Vergrößerung der Gedenkstätte
Die Bürgerschaft fasst einstimmig den Beschluss, nach Umzug der Justizvollzugsanstalt, die ehemaligen KZ-Gebäude in die Gedenkstätte einzubeziehen und diese in den Jahren 2002 bis 2006 in drei Schritten zu einem „Ausstellungs-, Begegnungs- und Studienzentrum“ zu erweitern.

13. Oktober 2001
Proteste nach weiterer Verzögerung
Der nach den Bürgerschaftswahlen vom 23. September 2001 in den Koalitionsverhandlungen „angesichts des dringenden Bedarfs an ausreichenden Haftplätzen“ angekündigte Verzicht auf die Schließung der Justizvollzugsanstalt in Neuengamme führt zu internationalen Protesten. Der designierte Bürgermeister von Beust sucht daraufhin das Einvernehmen mit den Opferverbänden.
Ausstellungstafel: Der lange Weg bis zur Verlagerung der Justizvollzugsanstalt (Offenes Archiv) 

24. Januar 2002
Erneuter Bürgerschaftsbeschluss zur Umgestaltung
Die Bürgerschaft beschließt – wiederum einstimmig – die Gefängnisverlagerung bis zum 30. Juni 2003, die vorzeitige Rekonstruktion des ehemaligen Appellplatz noch bei laufendem Gefängnisbetrieb und die Realisierung der gesamten Neugestaltung anderthalb Jahre früher als ursprünglich beabsichtigt bis zum 60. Jahrestag der Befreiung im Mai 2005.

30. Juni 2003
Schließung der Justizvollzugsanstalt XII
Schließung der Justizvollzugsanstalt Neuengamme (JVA XII) und Übergabe des Geländes an die KZ‑Gedenkstätte Neuengamme. Insgesamt umfasst die Gedenkstätte nunmehr eine Fläche von mehr als 50 Hektar mit 15 ehemaligen KZ-Gebäuden mit rund 41.000 qm umbauten Raumes.

28. Februar 2005
Beschluss der Schließung der Justizvollzugsanstalt IX
Der Senat verkündet die Schließung auch der zweiten, 1970 auf dem Gelände der ehemaligen Tongruben errichteten, Justizvollzugsanstalt (JVA IX).

4. Mai 2005
Eröffnung Gedenkstätte
Eröffnung der neu gestalteten Gedenkstätte am Ort des ehemaligen Häftlingslagers. Zentrale Elemente bilden neben dem neuen Studienzentrum, der Bibliothek und dem Archiv die in einer ehemaligen Häftlingsunterkunft eingerichtete Hauptausstellung „Zeitspuren“, die Studienausstellung „Dienststelle KZ Neuengamme“ in den ehemaligen SS-Garagen, das dort auch eingerichtete Offene Archiv und im Außengelände die Markierung der Barackengrundflächen und archäologische Freilegungen.
Ausstellungen in der KZ‑Gedenkstätte Neuengamme (Mediathek)

18. Oktober 2006
Beginn Abriss des zweiten Gefängnisses
Beginn des Abrisses der Justizvollzugsanstalt JVA IX.

5. Mai 2007
Eröffnung Ausstellung in den Walther-Werken
Eröffnung der Dauerausstellung „Mobilisierung für die Kriegswirtschaft: KZ-Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion“ in dem ehemaligen KZ-Rüstungsbetrieb der „Walther Werke“.
Ausstellung: KZ-Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion (Mediathek)

19. Mai 2007
Eröffnung Ausstellung „Gefängnisse und Gedenkstätte“
Eröffnung der Dauerausstellung: „Gefängnisse und Gedenkstätte: Die Dokumentation eines Widerspruchs“ im Rahmen der internationalen Gedenkveranstaltung „63. Jahre nach der Befreiung: Das ehemalige KZ-Gelände – jetzt uneingeschränkt Gedenkstätte“
Ausstellung: Gefängnisse und Gedenkstätte - Die Dokumentation eines Widerspruchs (Mediathek)

1. Januar 2009
Aufnahme in die Gedenkstättenförderung
Aufnahme der KZ‑Gedenkstätte Neuengamme in die institutionelle Gedenkstätten-Förderung des Bundes

4. Mai 2014
Eröffnung Service-Point
Beendigung des Umbaus der Gedenkstätte durch Eröffnung des Service-Points am Haupteingang der Gedenkstätte.