11.12.2015 Ausstellung

Ausstellung: Hamburger Fußball im Nationalsozialismus

Luftwaffen-Sportverein Groß-Hamburg, Finalspiel im Tschammerpokal 1943. Quelle: Ralf Klee, Lauenburg
Luftwaffen-Sportverein Groß-Hamburg, Finalspiel im Tschammerpokal 1943.
Walter Wächter (3. v. links) im HSV-Dress auf dem Fußballfeld des HSV am Turmweg, um 1929. Als Regimegegner und Jude wurde Walter Wächter verfolgt. Quelle: Torkel Wächter, Stockholm
Einführende Tafel der Rathausausstellung

Vom 14. Januar bis 7. Februar 2016 gibt es in der Rathausdiele des Hamburger Rathauses die Ausstellung „Hamburger Fußball im Nationalsozialismus. Einblicke in eine jahrzehntelang verklärte Geschichte.“ zu sehen. Diese Ausstellung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme mit Unterstützung der Hamburgischen Bürgerschaft findet anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus statt.

In Deutschland war nach dem 30. Januar 1933 ein selbstbestimmtes Leben und Handeln nicht mehr möglich. Die rassistische und aggressiv nationalistische Ideologie der NSDAP durchdrang alle Lebensbereiche, alles wurde "nazifiziert". Dies galt auch für die Sportvereine. Die vielfältige, "bunte" Sportbewegung der Weimarer Republik - und mit ihr der Fußballsport - wurden "gleichgeschaltet": Linientreue Vereinsführer ersetzten die bisherigen Vorsitzenden, Vereinsmitglieder wurden aus rassistischen und politischen Gründen ausgegrenzt und ausgeschlossen und militärischer Drill, sogenannter "Wehrsport", eingeführt.

Zu den sportpolitischen Maßnahmen der Nationalsozialisten in Hamburg gehörten das Verbot und die Verfolgung der traditionsreichen Arbeitersportbewegung. Sportlerinnen und Sportler, die sich den "neuen Verhältnissen" nicht anpassten oder als "rassisch minderwertig" galten, wurden in Gefängnissen und Konzentrationslagern inhaftiert und ermordet.

Die Ausstellung dokumentiert, vor allem für den Hamburger Fußballsport, an Beispielen die nationalsozialistische Sportpolitik der NSDAP, Maßregelungen von Sportlerinnen und Sportlern, Verbote und Verfolgungen, der Fußballalltag vor dem Krieg, über den Hinterhoffußball, zum Verhalten von Zuschauerinnen und Zuschauern oder auch das Fußballspielen während des Krieges - beispielsweise im KZ Neuengamme. Ergänzend erfolgt auch ein Blick auf die Neuorganisierung des Sportes nach Kriegsende in der britischen Besatzungszone, die - späte - Aufarbeitung der Geschichte der Fußballvereine und -verbände im Nationalsozialismus sowie aktuelle Entwicklungen in den heutigen Hamburger Fußballfanszenen. Es werden eine Reihe von Personen- und Vereinsportraits vorgestellt, z.B. neben den "großen" bekannten Vereinen den Arbeitersportverein Lorbeer Rothenburgsort, oder Personen wie Martin Stock und Asbjörn Halvorsen.

Zur Ausstellung gehört ein umfangreiches Begleitprogramm von Vorträgen, Filmen und Führungen, in denen die Themen der Ausstellung aufgegriffen werden. Schulklassen und andere Gruppen können begleitete Besuche der Ausstellung buchen: 

Gruppenführungen Veranstaltungskalender Begleitprogramm  Flyer

Außerdem findet zum Ende des Ausstellungszeitraums eine Tagung statt, wo es die Möglichkeit gibt, einen erweiterten Blick auf die norddeutsche Sport- und Fußballgeschichte im Nationalsozialismus zu werfen und sich mit aktuellen Erscheinungen auseinanderzusetzen. Mehr dazu finden Sie in unserem Blogeintrag über die Tagung.

Video: Fußball im Nationalsozialismus (Führung in Deutscher Gebärdensprache)