Helmstedt-Beendorf (Männer)

Luftbild Helmstedt-Beendorf. Foto: unbekannt, Kopie, 1993. (ANg 1995-4216)
Luftbild von Helmstedt-Beendorf. Foto: unbekannt, Kopie, 1993.

In Beendorf bei Helmstedt wurden 1944 zwei Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme errichtet – ein Männer- und ein Frauenlager. Die männlichen und die weiblichen Häftlinge waren z. T. im selben Gebäude – nur auf verschiedenen Etagen – untergebracht. Beide Außenlager wurden von der SS unter der Bezeichnung „A III“ geführt. Sie dienten der Verlagerung besonders kriegswichtiger Rüstungsfertigungen der Askania-Werke AG und des Luftfahrtgerätewerkes Hakenfelde GmbH unter Tage, im Auftrag des Jägerstabes beim Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion. Der Jägerstab war zur koordinierten Verlagerung der kriegswichtigen Produktion zum Schutz vor Bombenangriffen im März 1944 unter Leitung des Architekten SS-Obergruppenführer Hans Kammler gegründet worden. Lagerleiter sowohl des Männer- als auch des Frauenaußenlagers war SS Obersturmführer Gerhard Poppenhagen. Die Wachen waren Luftwaffenangehörige.

Am 17. März 1944 erreichten die ersten Häftlinge Beendorf. Die Männer wurden zum Ausbau unterirdischer Produktionshallen in zwei benachbarten Salzbergwerken eingesetzt. Dabei handelte es sich um die Schächte „Marie“ (Beendorf) und „Bartensleben“ (Morsleben). In beide Schächte wurden wichtige Produktionsanlagen für die Luftrüstung verlegt. Die geheimen Projekte trugen die Tarnnamen „Bulldogge“ und „Iltis“. Die schwere körperliche Arbeit und die Arbeitsbedingungen in den Stollen verursachten Gesundheitsschäden, insbesondere an Augen und Atemwegen. Im Bericht des SS Standortarztes des KZ Neuengamme, Dr. Trzebinski, vom 29. März 1945 wird der Häftlingsbestand für Beendorf am 25. März 1945 mit 749 Männern angegeben. Über den gesamten Zeitraum des Bestehens als Außenlager ist aber von einer weitaus größeren Zahl auszugehen, da „arbeitsunfähige“ durch neue Häftlinge ersetzt wurden.

Am 10. April 1945 erfolgte die Räumung beider Lager: Frauen und Männer wurden in Güterwaggons verladen und über Magdeburg, Stendal und Wittenberge in das Auffanglager Wöbbelin gebracht, wo sie am 16. April eintrafen. Die Überlebenden wurden nach zwei Wochen US-amerikanische Truppen Wöbbelin befreit.

Zeitraum

17. März 1944 bis 10. April 1945

Anzahl der Häftlinge

750 Männliche Gefangene

Art der Arbeit

Bauarbeiten für Untertageverlagerung

Auftraggeber

SS Führungsstab A III, Askania-Werke AG, Luftfahrtgerätewerk Hakenfelde GmbH

Ort

Wegbeschreibung

KZ-Gedenkstätte Beendorf (im Keller der Bernhard-Becker-Grundschule)
Rundahlsweg 7
39343 Beendorf

Gedenkstätte

Auf dem Beendorfer Friedhof befindet sich ein Massengrab mit etwa 100 KZ-Häftlingen. Neben einem älteren Gedenkstein mit der Aufschrift „FIR“ (Fédération Internationale de Résistants) ist dort 1995 ein Gedenkstein mit einer erläuternden Inschrift aufgestellt worden.

In der Ortsmitte wurde in den 1960er-Jahren ein Mahnmal für die Opfer des Außenlagers Helmstedt-Beendorf eingeweiht. Da Beendorf im Grenzsperrgebiet der DDR lag, war der Ort des ehemaligen Lagergeländes bis 1989 nicht zugänglich.

Auf Initiative des Beendorfer Schuldirektors wurde 1971 in der Schule ein Ausstellungsraum eingerichtet. Seit 1996 besteht dort eine KZ-Gedenkstätte mit einer provisorischen Ausstellung zur Geschichte des Außenlagers. Trägerin ist die Gemeinde Beendorf. 

Öffnungszeiten: Nach Vereinbarung

Kontakt

Grundschule Beendorf
Sekretariat
Rundahlsweg 7
39343 Beendorf

Tel.: +49 (0) 39050 – 2 23 9

Gemeinde Beendorf
Schulplatz 5
39343 Beendorf

Tel.: +49 (0) 39050 – 2 23 5