Hamburg-Veddel (Frauen)

Dessauer Ufer Speicher G. Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme, 1982. (ANg 1982-1739)
Foto vom Dessauer Ufer Speicher G. Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme, 1982.

Mitte Juli 1944 wurde das erste Frauenaußenlager des KZ Neuengamme in einem Speicher in Veddel am Dessauer Ufer im Hamburger Freihafen errichtet. Die ersten 1000 ungarischen und tschechischen Jüdinnen waren Anfang Juli 1944 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau für einen Arbeitseinsatz in Hamburg ausgewählt worden. Sie erreichten Hamburg wahrscheinlich am 16. oder 17. Juli 1944. Etwa einen Monat später trafen am Dessauer Ufer weitere 500 polnische Jüdinnen aus dem Getto Lodz ein, die ebenfalls aus Auschwitz-Birkenau kamen. Die Frauen mussten im Rahmen des „Geilenberg-Programms“ – ein Sofortmaßnahmenprogramm zur Rettung der zerstörten Mineralölindustrie – bei größeren Hamburger Raffinerien wie Rhenania Ossag (Shell), Ebano-Oehler (Esso), J. Schindler oder Jung-Öl, sowie anderen Hafenbetrieb, Aufräumungsarbeiten verrichten. Am 13. September 1944 teilte die SS die Frauen in drei Gruppen auf und verlegte sie in die Lager Hamburg-Sasel, Wedel und Hamburg-Neugraben. 

Zeitraum

Mitte Juli 1944 bis 13. September 1944

Anzahl der Häftlinge

1500 Weibliche Gefangene

Art der Arbeit

Aufräumungsarbeiten

Auftraggeber

Ebano-Oehler (Esso), J. Schindler, Rhenania Ossag (Shell), Jung-Öl u. a.

Ort

Wegbeschreibung

Ehemaliges Außenlager:
Lagerhaus G
Dessauer Ufer
20457 Hamburg

Wandbild:
Neumühlen 16–20
22763 Hamburg

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln:
Lagerhaus G: S Bahnstation Veddel.
Wandbild: Ab S Bahnstation Altona mit Bus 112 in Richtung Neumühlen bis zur Haltestelle „Lawaetzhaus“.

Führungen: Es finden regelmäßig Hafenrundfahrten zum Thema „KZ-Außenlager, Stätten von Widerstand und Verfolgung im Hamburger Hafen“ statt. Informationen und Anmeldung über die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Tel.: +49 (0) 40 - 4 28 13 15 00.

Gedenkstätte

Der Speicher wurde Ende 1998 von der Hamburger Kulturbehörde unter Denkmalschutz gestellt, da er die „historische Form der Lagerhaltung außerhalb der Speicherstadt mit ihrer für die damalige Zeit typischen Backstein-Architektur“ dokumentiere. In dem auch im Innern weitgehend unveränderten Gebäude seien an den Wänden zudem noch Spuren der Häftlinge in Form von Schriftzügen und Einritzungen zu finden, die es zu einem „wichtigen Zeugen“ des „Dritten Reiches“ im Hafengelände machten. An der Außenwand des Speichers wurde eine Tafel aus dem Programm der Hamburger Kulturbehörde „Stätten der Verfolgung und des Widerstandes 1933–1945“ angebracht. Es ist an diesem Ort der einzige Hinweis auf das ehemalige Außenlager.

Am Elbufer in Altona entstand 1995 auf Initiative des Arbeitskreises „Frauen im Museum der Arbeit“ mit Unterstützung der Lawaetz-Stiftung das Wandbild „Für die Frauen vom Dessauer Ufer“ von Cecilia Herrero und Hildegund Schuster. Der ursprünglich vorgesehene Standort war zuvor von der stadteigenen Hamburger Hafen- und Lagerhaus-AG abgelehnt worden. Im Mittelpunkt der Darstellung steht Lucille Eichengreen, eine 1925 in Hamburg geborene Jüdin, die im Oktober 1941 als 16 Jährige zusammen mit ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester ins Getto Lodz und später in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert worden war. Im Sommer 1944 kehrte sie als KZ-Häftling zur Zwangsarbeit in ihre Heimatstadt Hamburg zurück. Gemeinsam mit 500 anderen Frauen, zumeist polnischen Jüdinnen, kam sie vom Dessauer Ufer ins Außenlager Sasel des KZ Neuengamme und von dort gegen Kriegsende ins Konzentrationslager Bergen-Belsen. Nach der Befreiung emigrierte Lucille Eichengreen, deren Mutter und Schwester ebenso wie ihr Vater (im KZ Dachau) ermordet worden waren, in die USA.

Das Wandbild ist Teil der Hamburger FrauenFreiluftGalerie, die seit 1994 mit Künstlerinnen aus Hamburg und Übersee versucht, Frauenleben und weibliche Arbeit aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und mit unterschiedlichen künstlerischen Mitteln darzustellen. 

Kontakt

Museum der Arbeit
FrauenFreiluftGalerie des Arbeitskreises Frauen
Wiesendamm 3
22305 Hamburg

Tel.: +49 (0) 40 – 4 28 13 31 60

Medienpädagogik Zentrum Hamburg e.V.
Susannenstrasse 14d
20357 Hamburg

Tel. +49 (0) 40 – 4 39 72 59
Email: info@mpz-hamburg.de

LG Lagerhausgesellschaft mbH
Herr J. Lucar
Tel.: +49 (0) 173 – 2 48 98 24