06.06.2018 Projekt

Neue Bildungsmaterialien zum Thema „Koloniales und rassistisches Denken und Handeln im Nationalsozialismus“

Dennis Röder (l.), Aischa Ahmed (2.v.l.) und Gottfried Kößler (r.) im Gespräch mit Susann Lewerenz und Philipp Bernhard bei der öffentlichen Präsentation der Bildungsmaterialien am 22. Mai 2018. Foto: Iris Groschek, KZ-Gedenkstätte Neuengamme (ÖA), 2018
Die Sonderausstellung "Verflechtungen" wurde erstmals anlässlich der Langen Nacht der Museen im April 2018 gezeigt. Foto: Iris Groschek, KZ-Gedenkstätte Neuengamme (ÖA), 2018
Die Afrodeutsche Thea Leyseck wird in den Materialien vorgestellt. Sie gab sich 1937 als „Deutsch-Südwest-Afrikanerin“ aus, um sich gegen den zunehmenden Rassismus im nationalsozialistischen Deutschland zu behaupten. Quelle: Zirkusarchiv Winkler

Am 22. Mai 2018 wurden in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg neue verflechtungsgeschichtliche Bildungsmaterialien der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Online-Materialien sind kostenfrei abrufbar und eignen sich für die schulische und außerschulische historisch-politische Bildungsarbeit mit Zielgruppen ab 16 Jahren.

Mit dem Schwerpunkt auf Diskriminierungs- und Verfolgungserfahrungen sowie Handlungsspielräume von People of Color zeigen die Materialien Verflechtungen zwischen kolonialem und rassistischem Denken und Handeln im Nationalsozialismus. Dabei beleuchten sie exemplarisch Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen kolonialen Rassismen und anderen Ungleichwertigkeitsideologien, namentlich Antisemitismus, Antiziganismus und Antislawismus. Unter anderem wird nach der Bedeutung und dem Verhältnis von Kolonialrassismus, Antisemitismus und Antislawismus in der nationalsozialistischen Kriegsführung gefragt. Die Materialien verknüpfen auf diese Weise die bis heute weitgehend voneinander getrennten Geschichtsnarrative zu Kolonialismus und Nationalsozialismus. Die Geschichte des Nationalsozialismus wird so in einen transnationalen und globalgeschichtlichen Kontext eingebettet. Die Materialien wollen zu einer rassismuskritischen Sensibilisierung beitragen und Anstöße für eine multiperspektivische und inklusive Erinnerungskultur geben.

Erarbeitet wurden die Materialien im Rahmen eines seit März 2016 von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ geförderten Kooperationsprojekts der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, der Universität Augsburg und der Universität Hamburg. Die Projektleitung lag bei Dr. Oliver von Wrochem (KZ-Gedenkstätte Neuengamme), KooperationspartnerInnen waren Prof. Dr. Susanne Popp (Universität Augsburg, Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte) und Prof. Dr. Jürgen Zimmerer (Universität Hamburg, Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe“). Die Projektkoordination lag bei Dr. Susann Lewerenz (KZ-Gedenkstätte Neuengamme), erarbeitet wurden die Materialien von Frau Lewerenz und Philipp Bernhard (Universität Augsburg).

Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme bietet drei- bis fünfstündige Fortbildungen für MultiplikatorInnen an, die sich mit den Bildungsmaterialien und ihren Einsatzmöglichkeiten vertraut machen möchten. Zudem führt die Gedenkstätte auf Nachfrage Studientage und zweitägige Seminare zum Thema „Koloniales und rassistisches Denken und Handeln im Nationalsozialismus“ durch und es kann eine im Rahmen des Projekts erarbeitete Roll-Ausstellung entliehen werden, die die Projektergebnisse auf fünf Roll-ups anschaulich vorstellt. Eine gedruckte Ausgabe der Bildungsmaterialien ist derzeit in Planung.

Bildungsmaterialien:

„Verflechtungen. Koloniales und rassistisches Denken und Handeln im Nationalsozialismus: Voraussetzungen, Funktionen, Folgen. Materialien für die Bildungsarbeit“, herausgegeben von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme in Zusammenarbeit mit der Universität Augsburg und der Universität Hamburg, Hamburg 2018 (gedruckt erhältlich ab Herbst 2018)

Projektwebsite:

www.verflechtungen-kolonialismus-nationalsozialismus.de

Kontakt:

KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Jean-Dolidier-Weg 75, 21039 Hamburg, Dr. Oliver von Wrochem, 040 428131 515, oliver.vonwrochem@bkm.hamburg.de, Dr. Susann Lewerenz, 040 428 131 536, susann.lewerenz@bkm.hamburg.de