17.11.2017 Konferenz, Bericht

Kongress der Amicale Internationale KZ Neuengamme am 4./5. November 2017

Vertreter/innen der Amicale Internationale KZ Neuengamme Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme, 2017
Gruppenbild der Vertreter/innen der Amicale Internationale KZ Neuengamme
Veranstaltung über Nachkommen von NS-Verfolgten in der Staats- und Universitätsbibliothek Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme, 2017
Veranstaltung in der Staats- und Universitätsbibliothek
Vertreter/innen der Amicale Internationale KZ Neuengamme am Ort des ehemaligen Krematoriums Foto: KZ Gedenkstätte Neuengamme (2017)
Vertreter/innen der Amicale Internationale KZ Neuengamme am Ort des ehemaligen Krematoriums

Am 4. und 5. November 2017 kam die Amicale Internationale KZ Neuengamme (AIN) zu ihrem jährlichen Kongress in Hamburg zusammen.

Seitdem im vergangenen Jahr der polnische Überlebende des KZ Neuengamme Janusz Kahl verstarb, wird die Arbeit der 1958 gegründeten Dachorganisation nationaler Verbände ehemaliger Häftlinge des KZ Neuengamme in erster Linie von den Angehörigen getragen. Die angereisten Vertreter_innen der nationalen Verbände Mark Van den Driessche und Kristof Van Mierop aus Belgien, Helle Vibeke Sørensen aus Dänemark, Thomas Käpernick aus Deutschland, Jean-Michel Clère und Jean-Michel Gaussot aus Frankreich, Martine Letterie aus den Niederlanden und Urszula Spinkiewicz aus Polen gehören der zweiten und dritten Generation an. In diesem Jahr nahmen zudem erstmals Vertreter lokaler Überlebendenverbände teil: Für Meensel-Kiezegem (Belgien) reiste Tom Devos an, für Putten (Niederlande) Evert Lubbersen. 

Wie bereits in den vergangenen Jahren nahmen die Vertreter_innen der AIN am 3. November im Vorfeld des Kongresses an der Sitzung des Beirats der KZ-Gedenkstätte Neuengamme teil, bei der deren Arbeit und aktuelle Projekte vorgestellt und diskutiert werden. Im Anschluss hieran stießen die Delegierten zum zeitgleich stattfindenden 4. Treffen der Außenlager-Initiativen und -Gedenkstätten, einem Forum, in dem ein Austausch über aktuelle Entwicklungen an den Orten ehemaliger Außenlager des KZ Neuengamme ermöglicht wird.

An der vom Leiter des Studienzentrums Oliver von Wrochem moderierten Abendveranstaltung in der Staats- und Universitätsbibliothek „Wie gehen Nachkommen von NS-Verfolgten mit dem Erbe nationalsozialistischer Verfolgung um?“ (Flyer) nahmen neben Swenja Granzow-Rauwald und Andrea von Treuenfeld auch zwei Repräsentanten der AIN teil: der Präsident Jean-Michel Gaussot und die Vizepräsidentin Martine Letterie. Beide haben in den letzten Jahren zu ihrer Familiengeschichte publiziert und ihre Bücher auch im Rahmen des Forums „Zukunft der Erinnerung“ präsentiert. Einem breiteren Publikum stellte Jean-Michel Gaussot sein Buch „Ode au grand absent qui ne m’a jamais quitté“ im Januar 2017 vor (http://cluny.de/wp-content/uploads/2015/09/2017-01-12-JM_Gaussot.pdfFlyer), Martine Letterie wird am 14. Dezember 2017 ihr Buch „De Genen van mijn Vader“ in Hamburg vorstellen. (fileadmin/user_upload/aktuelles/2017/Flyer_Lesung_Letterie_20171214.pdfFlyer)

Die Vertreter_innen der Amicale Internationale KZ Neuengamme eröffneten den diesjährigen Kongress mit einem gemeinsamen Gedenken und einer Kranzniederlegung am Ort des ehemaligen Krematoriums. Anschließend folgte ein intensiver Austausch über aktuelle Entwicklungen in den jeweiligen Ländern und an den Orten ehemaliger Außenlager wie Wolfsburg-Laagberg, aber auch über gemeinsame länderübergreifende Projekte. Hierzu zählen u.a. die Veranstaltung zum 60. Gründungsjubiläum der AIN im nächsten Jahr sowie weitere gemeinsame Projekte wie die von Angehörigen ehemaliger Häftlinge getragene Internet-Dialogplattform „Reflections on Family History Affected by Nazi Crimes“, die im November im Rahmen eines Relaunch die Verfügbarkeit in mehreren Sprachen optimieren konnte. Hiermit wird es Angehörigen aus zahlreichen Ländern erleichtert, auf diesem Blog die Auswirkung der Verfolgung ihrer Angehörigen auf ihr eigenes Leben vorzustellen, ihre Anliegen öffentlich zu dokumentieren und die Bedeutung der Erinnerung an die NS-Verbrechen für die Gegenwart deutlich zu machen.

Bei freundschaftlichen Gesprächen mit der Leitung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme bezüglich der Planungen zu den gemeinsamen Gedenkveranstaltungen und zum Forum „Zukunft der Erinnerung“ im kommenden Jahr fand der diesjährige Kongress seinen Abschluss.