03.01.2019 Nachricht

« Je n’aurais jamais imaginé » Wir erinnern an Pierre Billaux

Pierre Billaux, 1943 Foto: KZ-Gedenkstätte Neuengamme (Billaux ANG 2010-0289)
Portraitfoto von Pierre Billaux im Alter von 18 Jahren
Pierre Billaux, 1999 Standfoto aus einer Dokumentation von Jürgen Kinter (KZ-Gedenkstätte Neuengamme)

Die Gedenkstätte erhielt die traurige Nachricht, dass Pierre Billaux aus Chambois (Normandie) im Alter von 93 Jahren am 28. Dezember 2018 verstorben ist. Pierre Billaux war Häftling des KZ Neuengamme. Am 3. Mai 1944 wurde er im Alter von 18 Jahren wegen seiner Zugehörigkeit zu einer lokalen Widerstandsgruppe in der Normandie verhaftet.

Nach Haft im Gefängnis von Alençon wurde Pierre Billaux in das Sammellager Compiègne gebracht und Ende Juli in das KZ Neuengamme deportiert. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 39359 und kam nach kurzer Zeit in das Außenlager Bremen-Blumenthal. Er überlebt mit viel Glück Krankheit, Unterernährung und Erschöpfung ebenso wie den Evakuierungstransport, der ihn zunächst zurück zum Stammlager Neuengamme führte. Bei der Räumung der Lager im April 1945 gelangte Pierre Billaux vom Schiff „Cap Arcona“ auf das Schiff "Athen" in der Lübecker Bucht und hatte damit erneut Glück. Er überlebte die Bombardierung der Schiffe, da die „Athen“ nicht sank. Er wurde am 3. Mai 1945 befreit und kehrte in sein Heimatdorf Chambois zurück, wo er einen kleinen Friseurladen führte.

Über 30 Jahre lang engagierte Pierre Billaux sich für Amnesty International und setzte sich für Minderheiten ein. Außerdem begann er, über die Geschichte seiner Deportation in Schulen und in der Öffentlichkeit zu berichten. Karsten Ellebrecht, einer der Initiatoren der Gedenkstätte in Bremen-Blumenthal, berichtet, dass Pierre Billaux nach einer ersten Rückkehr nach Deutschland mit seinem belgischen Freund Guy Melen 1953 beschloss, nie wieder nach Deutschland zurückzukehren: der frostige Empfang, die Unfreundlichkeit, die sie erlebt hatten, waren abschreckend. Erst die Kanzlerschaft Willy Brandts veranlasste Pierre, an einer der jährlichen Fahrten der Amicale teilzunehmen. Er war später mehrfach Teilnehmer an diesen "Pèlerinages", zusammen mit anderen ehemaligen Häftlingen und ihren Angehörigen.  Er knüpfte Freundschaften mit Deutschen in Hamburg und Bremen.

Auch der KZ-Gedenkstätte Neuengamme war Pierre Billaux ein wertvoller Ratgeber und geschätzter Freund. Seine Erinnerungen gingen in Filmdokumentationen und Ausstellungsprojekte der KZ-Gedenkstätte Neuengamme ein. In der Hauptausstellung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme sind Pierre Billauxs Erinnerungen an seine Haftzeit in Deutschland nachzuhören. Dem Vermächtnis dieses Vorkämpfers für die universelle Geltung der Menschenrechte, für die Völkerverständigung und das Zusammenwachsen Europas fühlen wir uns verpflichtet.

Meldung in der Zeitung Ouest France

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