02.11.2016 Nachricht

Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme trauert um Janusz Kahl (1.2.1927 – 2.11.2016)

Janusz Kahl spricht auf der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Befreiung Foto: Mark Mühlhaus, attenzione photographers, 4.5.2015
Janusz Kahl bei der Gedenkveranstaltung am 3. Mai 2012 in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme Foto: Katja Hertz-Eichenrode, 2012 (ANg, 2014-505)
Gedenkfeier im Klinkerwerk, 4. Mai 2015 Foto: Mark Mühlhaus, attenzione photographers, 2015

Janusz Kahl, ehemaliger polnischer Häftling des KZ Neuengamme und Vizepräsident der Amicale Internationale KZ Neuengamme, ist am heutigen Mittwoch im Alter von 89 Jahren verstorben. Wir trauern um einen warmherzigen und klugen Freund.

Janusz Kahl wurde 1944 als 17-Jähriger während des Warschauer Aufstandes nach Deutschland verschleppt. Über das KZ Sachsenhausen kam er am 24. August 1944 nach Alt Garge, einem Außenlager des KZ Neuengamme. Hier musste er gemeinsam mit 500 weiteren Männern aus Warschau schwere Zwangsarbeit leisten, um für die Hamburgischen Elektrizitätswerke (HEW) ein neues Kohlekraftwerk zu errichten. Über das KZ Neuengamme wurde Janusz Kahl am 23. März 1945 in das Auffanglager Wöbbelin überstellt und dort am 2. Mai 1945 durch amerikanische Soldaten befreit.

Nach dem Krieg studierte Janusz Kahl Musik, komponierte und arbeitete 40 Jahre lang am Warschauer Operettentheater. Seit seiner Pensionierung recherchierte er die Namen der polnischen Häftlinge des KZ Neuengamme. Er engagierte sich im polnischen Verband ehemaliger politischer Gefangener und war Vize-Präsident des internationalen Häftlingsverbandes Amicale Internationale KZ Neuengamme. In der KZ-Gedenkstätte Neuengamme sprach er regelmäßig im Rahmen von Zeitzeugengesprächen mit jungen Menschen – er hatte noch geplant, in der nächsten Woche nach Hamburg zu kommen.

Die Gedenkstätte verliert mit Janusz Kahl einen unermüdlichen Kämpfer gegen das Vergessen. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie.