13.12.2017 Bericht, Gedenkveranstaltung

Bericht zur Gedenkveranstaltung „Potentiale der Erinnerungskultur im Kampf für die Menschenrechte – In Memoriam Jens Michelsen“

Veranstaltung ad Memoriam Jens Michelsen Foto: Beate Meyer, 2017
Detlef Garbe als Redner auf der Veranstaltung Foto: Beate Meyer, 2017
Anna Menny und Oliver von Wrochem Foto: Beate Meyer, 2017

In der Galerie Morgenland/ Geschichtswerkstatt in Eimsbüttel kamen am 21. November 2017 viele Interessierte, Freunde und Angehörige von Jens Michelsen zusammen, um ihm und auch seinem Beitrag zur Hamburger Erinnerungskultur zu gedenken. Dazu berichteten Dr. Beate Meyer (Institut für die Geschichte der deutschen Juden), Joachim Szodrzynski (Forschungsstelle für Zeitgeschichte), Dr. Detlef Garbe (KZ-Gedenkstätte Neuengamme), Prof. Dr. Bodo von Borries (Didaktik der Geschichte, Universität Hamburg) und Dr. Oliver von Wrochem (KZ-Gedenkstätte Neuengamme) aus verschiedenen Etappen seines Schaffens.

Auf die kurze Begrüßung von Seiten der Galerie Morgenland durch Anna Menny folgte eine sehr persönliche Begrüßung durch Dr. Detlef Garbe, der im Besonderen die zahlreich erschienenen Familienmitglieder von Jens Michelsen herzlich willkommen hieß. Daraufhin stellte Dr. Beate Meyer das Wirken der Geschichtswerkstatt Eimsbüttel vor und ging vor allem auf die dort von ihr initiierte Arbeit mit Zeitzeugen ein, die später durch Jens Michelsen aufgenommen und weitergeführt wurde. In diesem Rahmen rief er die Publikationsreihe Eimsbüttler Lebensläufe, die Autobiografien von Zeitzeugen aus dem Stadtteil vorstellt, ins Leben. Dr. Beate Meyer betonte das Talent Jens Michelsens für die Arbeit mit Zeitzeugen, welches nicht zuletzt auf seiner besonderen Fähigkeit zur Kommunikation und zum Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen fußte. Daran anknüpfend erzählte Joachim Szodrzynski Anekdoten aus der gemeinsamen Studentenzeit mit Jens Michelsen, wobei er ebenfalls dessen besondere Fähigkeit zur Kommunikation, verbunden mit seinem Interesse und seiner Offenheit für die Meinungen anderer, unterstrich, die sich schon zu WG-Zeiten in politischen Diskussionen gezeigt hatte. Diese Fähigkeit nutzte Jens Michelsen nach Joachims Szodrzynskis Erzählung später für seine Arbeit in der Geschichtswerkstatt Eimsbüttel, vor allem auch im Bereich der internationalen Vernetzung, und später für die Arbeit in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, wo er im Team Ideen für die Bildungsarbeit entwickeln und umsetzen konnte.

Im Anschluss wurde der Gedenkfilm Jens Michelsen (2009) gezeigt, der von der Landeszentrale für politische Bildung für eine frühere Gedenkveranstaltung produziert worden war. Dieser veranschaulicht die Arbeit Jens Michelsens in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und seinen Anteil am Aufbau des 2005 gegründeten Studienzentrums. Vorgestellt wird, wie er durch die Entwicklung neuer pädagogischer Projekte das Programmprofil des Studienzentrums beeinflusste.

Thematisch anschließend stellte Dr. Detlef Garbe, der Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, die Arbeit Jens Michelsens in der Gedenkstätte genauer vor. Er betonte vor allem die Mitprägung der Neugestaltung durch Jens Michelsen, seinen Beitrag zur internationalen Vernetzung und zu nationenübergreifenden Projekten sowie seinen Ansatz, Gedenken mit Fragen der Demokratie- und Menschenrechtsbildung zu verbinden. Vertiefend stellte Prof. Dr. Bodo von Borries seine Erfahrungen mit Jens Michelsen bei der deutsch-polnischen Sommerakademie 2006 vor, und beschrieb anhand dessen eindrücklich das Engagement von Jens Michelsen für internationale Projekte. Auch er betonte insbesondere dessen Talent zur Kommunikation, Vermittlung und vor allem zu gegenseitigem Zuhören und Erzählen und stellte dies als Basis dieser erfolgreichen, deutsch-polnischen Zusammenarbeit in den Vordergrund. Abschließend stellte der heutige Leiter des Studienzentrums, Dr. Oliver von Wrochem, seine Arbeit und das heutige Programmprofil des Studienzentrums vor und arbeitete anhand dessen heraus, welche Einflüsse von Jens Michelsen bis heute fortwirken. Auch einige konkrete Beispiele dafür wurden genannt, darunter die Bildungsarbeit mit Berufsgruppen, Projekte zu Demokratie und Menschenrechten sowie internationale Kontakte und Begegnungsprojekte.

Im Anschluss blieb noch Zeit und Raum für einen privaten und informellen Austausch. Diese Möglichkeit wurde gerne ergriffen und die Veranstaltung klang langsam aus. Abschließend kann gesagt werden, dass die Wertschätzung für Jens Michelsen und seine Arbeit bei dieser außerordentlich gut besuchten Veranstaltung in allen Beiträgen wie auch in der Stimmung sehr deutlich wurde. Die Erinnerung an sein Talent zur Kommunikation, seine Offenheit und Empathie zog sich wie ein roter Faden durch den Abend.

Bericht von Sophia Annweiler, Studienzentrum KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Redebeiträge:

Beitrag von Bodo von Borries

Beitrag von Detlef Garbe

Beitrag von Beate Meyer

Beitrag von Joachim Szodrzynski