Bild der Erdarbeiten an der Dove Elbe, im Vordergrund mit der Schaufel: Salo Blechner, Foto der SS, 1941/42.
Erdarbeiten an der Dove Elbe, im Vordergrund mit der Schaufel: Salo Blechner, Foto der SS, 1941/42. (NIOD 244F/92867)

Die Häftlinge

Europakarte, auf der die Herkunftsländer der Häftlinge erkennbar sind. graphische werkstätten feldstraße, Hauptausstellung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Europakarte, auf der die Herkunftsländer der Häftlinge erkennbar sind.

Ursprünglich waren die Konzentrationslager von der nationalsozialistischen Regierung vor allem für politische Gegner eingerichtet worden. Ab 1937 wurden zunehmend andere Verfolgte eingeliefert – Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, angeblich „Asoziale“ und „Kriminelle“. Die SS nahm den Menschen alles, was sie besaßen und gab ihnen Nummern statt Namen. Verschiedenfarbige Dreiecke an der Kleidung, die so genannten „Winkel“, gaben den Haftgrund an. Deutsche Häftlinge bildeten im KZ Neuengamme zunächst die größte Gruppe. Insgesamt waren es ca. 9500 Personen, darunter ca. 400 Frauen. Weibliche Häftlinge wurden nicht im Hauptlager, sondern in Außenlagern eingesetzt.

Ab 1941 kam die Mehrheit der Häftlinge im KZ Neuengamme aus den von Deutschland besetzten Gebieten. 1941/42 bildeten die polnischen, ab 1942/43 die sowjetischen Häftlinge die größte Gruppe im Lager. Insgesamt betrug der Anteil der ausländischen Häftlinge im KZ Neuengamme über 90 Prozent. Mehr als die Hälfte von ihnen kam aus Ost- und Mittelosteuropa, große Gruppen kamen aus Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Dänemark. Verhaftungsgründe waren Widerstand gegen die deutsche Besatzung, die Bestrafung von ZwangsarbeiterInnen und die Verschleppung als Geiseln und als Opfer von "Vergeltungsaktionen". Ab 1941 kamen auch sowjetische Kriegsgefangene ins KZ Neuengamme, 1944/45 in größerer Zahl auch Jüdinnen und Juden aus verschiedenen europäischen Ländern.

Insgesamt wurden im KZ Neuengamme über 80.000 Männer und mehr als 13.000 Frauen mit einer Häftlingsnummer registriert; weitere 5.900 Menschen wurden in den Lagerbüchern gar nicht oder gesondert erfasst. Durch die bewusst herbeigeführten ungenügenden Lebens- und Arbeits­bedin­gungen kamen nachweisbar mindestens 42.900 Menschen ums Leben. Hinzu kommen mehrere Tau­send Häftlinge, die nach ihrem Abtransport, in anderen Lagern umkamen oder nach ihrer Be­freiung an den Folgen der KZ-Haft starben. Es muss davon ausgegangen werden, dass mehr als die Hälfte der ca. 100.400 Häftlinge des Kon­zen­trationslagers Neuengamme die natio­nal­sozialistische Verfolgung nicht überlebte.

Gott, wie ich das alles aushielt: Läuse, Blutgeschwüre, Hunger, Schläge, Misshandlung, Durchfälle. Es blieb von mir nur ein Schatten. Und vielleicht überlebte ich nur deshalb, weil ich sehr jung war.“

Krystyna Razińska aus Polen wurde im Alter von 15 Jahren als Beteiligte am Warschauer Aufstand ins KZ Ravensbrück und von dort in verschiedene Außenlager des KZ Neuengamme deportiert. (Bericht 30.4.1990, ANg)