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Sowjetische Kriegsgefangene im KZ. Zur Kollaboration von Wehrmacht, Gestapo und SS

Rolf Keller schildert, wie zwei Kommissionen der Hamburger Gestapo 1941/42 die sowjetischen Kriegsgefangenenlager in Norddeutschland überprüften, um gemäß der Einsatzbefehle Nr. 8 und Nr. 9 des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD aus nationalsozialistischer Sicht alle "rassisch und politisch untragbaren " Soldaten zu identifizieren, in Konzentrationslager verlegen und ermorden zu lassen. Im Zuge dieser Aktion sind in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Buchenwald mindestens 19 000 sowjetische Kriegsgefangene ermordet worden. Keller geht auf Reibungen in der Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen der Wehrmacht und den Gestapo-Kommissionen ein und weist darauf hin, dass eine Reihe von Kriegsgefangenenlagern, die hätten "überprüft" werden sollen, nicht erfasst wurden. Die drei Wehrmachtteile hatten in der Verwaltung des Kriegsgefangenenwesens eigene Zuständigkeiten und unterhielten ihr je eigenes System von Gefangenenlagern. Die Waffen-SS drängte auf Gleichstellung auch in dieser Hinsicht. Keller schildert die konzeptionellen Vorstellungen, über die Himmler mit Wehrmacht-repräsentanten verhandelte und in denen er die Überstellung von 350 000 Kriegsgefangenen für den Arbeitseinsatz an die Waffen-SS forderte. In einigen Konzentrationslagern wurden in dieser Zeit Kriegsgefangenen-Arbeitskommandos eingerichtet, deren Häftlinge formal ihren Soldatenstatus behielten und deren Personalverwaltung durch die KZ-Kommandanturstäbe nach Vorschriften der Wehrmacht erfolgte. Circa 50 000 sowjetische Soldaten kamen in Konzentrationslager, weil ihnen Arbeitsverweigerung, Widerstand oder Verstöße gegen andere für sie geltende Bestimmungen vorgeworfen wurden. Die Wehrmacht entließ sie aus dem Kriegsgefangenenstatus und übergab sie an die Gestapo, die die Betreffenden in Konzentrationslager einlieferte, wo sie ermordet oder als Häftlinge zur Zwangsarbeit eingesetzt wurden. Das Interesse an der Ausbeutung der Arbeitskraft nahm mit Verschlechterung der militärischen Lage der Wehrmacht zu.

Soviet POWs in concentration camps. The collaboration between the Wehrmacht, the Gestapo and the SS

During the war with the Soviet Union, more than 5.3 million Red Army soldiers were captured by the Germans. In the case of these Soviet POWs, the Wehrmacht, as the institution in charge of POWs, disregarded several critical standards set out in the 1929 Geneva Convention Relative to the Treatment of Prisoners of War. For example, it handed over tens of thousands of Soviet soldiers to the SS. The essay aims to give a systematic overview of the different forms of collaboration between the Wehrmacht and the Nazi security services and machinery of persecution. The Wehrmacht cooperated with the Reich Security Main Office (RSHA), the Gestapo and the SS in “weeding out” so-called “undesirable elements” (especially Jews and “Bolsheviks”) among the Soviet soldiers in the POW camps, who were then taken to concentration camps and murdered. This murder campaign reached its high point in the autumn of 1941. Between 1941 and 1945, the Wehrmacht “released” an as of yet unknown number of Soviet POWs from captivity following escape attempts, resisting guards, contacts with German women and other “crimes”. They were then handed over to the Gestapo and transferred to the concentration camps or, if their crimes were considered more serious, murdered at the concentration camps on the orders of the Reich Security Main Office. As the war progressed, the use of these prisoners’ labour was given more and more priority. The SS-operated POW camps established in the autumn of 1941 represent a special case in this context. The Soviet soldiers transferred to the authority of the SS kept their POW status and were housed in separate sections of the concentration camps. In the east, new camps like Auschwitz-Birkenau and Majdanek were built specifically as SS POW camps. However, the SS never received the agreed numbers of prisoners, and most of the POWs under its authority died in the winter of 1941/1942. This put an end to Himmler’s plans of deploying a vast army of POWs as slave labourers under the control of the SS.

in: 

Wehrmacht und Konzentrationslager
Hg.: KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Bremen 2012 (Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland; 13)
Edition Temmen
267 Seiten
ISBN 978-3-8378-4033-9
€ 14,90 

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